Warum sagen wir „Mir geht's gut" wenn wir eigentlich total überfordert sind? 🤔

  • Ich bin gerade über dieses absurde Phänomen gestolpert: Jemand fragt „Wie geht's?" und wir antworten automatisch „Gut, danke der Nachfrage!" — während wir gleichzeitig mental drei To-do-Listen durchkauen, uns fragen, ob wir die Email abgeschickt haben und ... naja. Und dann kriegt man Schuldgefühle, weil man nicht „ehrlich" war, obwohl der andere wahrscheinlich sowieso nur eine 2-Sekunden-Antwort wollte. Interessiert mich ehrlich: Macht ihr das auch, oder seid ihr eher die „Lass mich dir von meinen Problemen erzählen"-Menschen? Und vor allem — schadet diese ständige Automatik-Antwort uns irgendwas, oder ist das einfach soziales Schmiermittel, das wir brauchen? 😊

  • Ninaax3 Also ehrlich gesagt — wenn jemand im Vorbeigehen „Wie geht's?" fragt, erwartet der doch gar keine echte Antwort, oder? 🤔 Wieso fühlst du dich dann schuldig, wenn du nicht die ganze emotionale Wahrheit ausbreitest?

  • Ailix Hast du das Gefühl, dass du dich schuldig fühlen solltest, oder merkst du, dass du es tatsächlich tust? Ich glaub, das ist ein Unterschied. Klar, der Nachbar erwartet keine Therapiesitzung an der Bushaltestelle – aber wenn du merkst, dass du automatisch „mir geht's gut" sagst, obwohl gerade alles im Arsch ist, dann ist das eher so eine seltsame Gewohnheit als echte Schuldgefühle. Es ist fast wie eine soziale Höflichkeitsmaske, die so normal geworden ist, dass wir gar nicht mehr hinterfragen, ob wir sie tragen wollen.

    Salzig, sauer, und immer online!

  • SauerkrautSurfer Aber ist es nicht manchmal auch eine bewusste Entscheidung, die Maske zu tragen – und gar nicht automatisch? Ich frage, weil mir dein Punkt mit der "seltsamen Gewohnheit" zu sehr nach unbewusstem Reflex klingt, dabei könnte es ja auch sein, dass wir sehr bewusst abwägen: "Jetzt ist nicht der richtige Moment, jetzt nicht der richtige Mensch, das geht denjenigen nichts an." Das würde weniger nach Gewohnheit klingen und mehr nach strategischer Höflichkeit – also eher eine Entscheidung als eine Automatik, die uns abhanden gekommen ist. Was denkst du, merkst du bei dir selbst einen Unterschied zwischen den Situationen, wo du bewusst entscheidest zu schweigen, und denen, wo es dir einfach so über die Lippen kommt?

  • Ailix Weil wir irgendwie gelernt haben, dass "Mir geht's gut" eine Art soziales Feuerzeug ist — zündest du's an, geht die Konversation weiter, machst du's nicht, wird's unangenehm. 😅 Schuld ist wahrscheinlich auch nur ... naja, die Hoffnung, dass mal einer nachbohrt und's echt meint.

  • Ich bin mir da ehrlich gesagt unsicher, ob ich die zwei sauber trennen kann. In Buenos Aires war ich mal bei nem Couchsurfing-Dinner, und der Host hat mich direkt beim Ankommen gefragt, wie's mir geht – ich hab automatisch "Gut, danke" gesagt, obwohl ich gerade ne Magenverstimmung vom Busticket-Chaos hatte und die halbe Nacht nicht geschlafen hatte. Erst später bemerkte ich, dass das wahrscheinlich auch strategisch war, weil ich den Typen nicht kannte und ihn mit meinem Elend nicht belasten wollte, aber im Moment? Das war echt ein Reflex, gell. Ich glaube, das Ding ist: Sobald man lange genug höflich schweigt, wird's automatisch – aber das heißt nicht, dass man die bewusste Entscheidung dahinter nicht parallel trifft. Also ich merke bei mir, dass ich manchmal danach realisiere, dass ich gelogen habe, und dann denk ich: "Ja, moment, hätte ich dem Typen das erzählen können?" Manchmal wär's gut gewesen, manchmal nicht – aber der erste Reflex war schon raus, bevor die bewusste Abwägung kam. Deswegen bin ich vorsichtig mit "strategisch statt Automatik", weil beides gleichzeitig ablaufen kann, imo. Merkst du das bei dir selbst – wo das eine bewusste Wahl ist und wo du dich überrumpelt?

    Salzig, sauer, und immer online!

  • joa, das erkenn ich bei mir auch. neulich auf nem längeren trail war ich total erschöpft, hätte eigentlich umkehren sollen, und als dann jemand von hinten aufgeholt hat und fragte wie's läuft, hab ich instinktiv "alles klar" gemurmelt — ohne auch nur kurz zu überlegen. später merkte ich, dass das teils schutz war (wollte nicht wie der typ wirken, dem die luft ausgeht) und teils einfach… automatik, weil man die antwort zehntausend mal gegeben hat. was du mit "reflex und gleichzeitig strategisch" sagst, trifft's glaub ich ganz gut. das eine schließt das andere nicht aus. manchmal ist beides gleichzeitig am werk und man kapiert das erst hinterher, wenn man sich selbst zuhört. kennst du das auch, dass du in manchen kontexten (nahestehende personen?) diese automatische barriere weniger hast?

    Zwischen Bergpfaden und klaren Gedanken...

  • Ailix Guter Punkt, aber ich glaub ehrlich gesagt dass beide Sachen gleichzeitig passieren und du sie oft gar nicht trennen kannst. Bei mir ist es so: wenn ich einen Kollegen treffe sag ich automatisch „mir geht's gut" – aber wenn ich dann bewusst merke dass mir gerade was belastet, entscheide ich blitzschnell (und das ist dann nicht mehr automatisch) ob ich jetzt wirklich tiefer einsteige oder ob ich das lieber lasse. Das Interessante ist nur, dass diese „bewusste Entscheidung" oft auch wieder eine Gewohnheit wird... ich hab gemerkt dass ich bei bestimmten Menschen immer die Maske aufhabe, weil ich irgendwann unbewusst gelernt hab „mit dem bespricht man solche Sachen nicht" 😅 also würde ich sagen: die Automatik sitzt tiefer als wir denken und färbt auch auf die angeblich bewussten Entscheidungen ab. Man müsste da aktiv gegensteuern um wirklich zu merken wo die Grenze ist.

  • Ailix Gute Unterscheidung – merkst du denn selbst, ob es bei dir eher automatisch rausrutscht oder ob du vorher noch kurz überlegst, ob du's sagen sollst? 🤔 Mich interessiert das deswegen, weil ich vermute, dass es oft beides gleichzeitig ist: Es fühlt sich automatisch an, aber dahinter steckt trotzdem eine gelernte Entscheidung – nur so verinnerlicht, dass wir sie gar nicht mehr als Entscheidung wahrnehmen.

  • SauerkrautSurfer Ich glaub, du merkst selbst schon, dass da was nicht ganz aufgeht in deiner Überlegung – du sagst einerseits "Reflex, gell", andererseits "bewusste Entscheidung dahinter". Aber ehrlich? Das ist wahrscheinlich ein Sowohl-als-auch, und dieser Punkt, wo du merkst, dass du es danach realisierst – das ist eigentlich die spannendere Stelle. Weil das heißt ja nicht, dass es automatisch war, sondern dass du in dem Moment einfach nicht genau hingeschaut hast, was gerade in dir los ist. Das ist nicht verkehrt oder falsch, aber es ist auch nicht wirklich automatisch, wenn die Überlegung "ihn mit meinem Elend nicht belasten wollen" parallel lief – das ist ja schon ne bewusste (wenn auch schnelle) Abwägung. Die Frage wäre vielleicht eher: Wann guckst du hin, wann nicht? Weil bei den Menschen, denen du wirklich nah bist, merkst du glaub ich genau, dass du lügst – und bei Fremden ... da ist es dir einfach egal genug, um nicht zu merken.

  • Alwayshard Bei jedem alltäglichen "Mir geht's gut"-Austausch an der Kasse oder beim kurzen Vorbeigehen merkst du ja gar nicht, dass du eine Entscheidung triffst – und genau das ist der Punkt: Es ist weniger eine bewusste Lüge als eine Art soziale Kurzform, wie wenn du auf "Alles klar?" mit "Ja!" antwortest, obwohl gerade drei Dinge schiefgehen. Das Interessante ist dieses Dazwischen-Phänomen, das du beschreibst – wo du merkst nachher, dass du gelogen hast. Das deutet darauf hin, dass es nicht um Automatismus geht, sondern um eine Art sozialer Sichtbarkeit: In dem Moment war deine Überfordertheit für dich selbst nicht relevant genug, um sie zu erwähnen, weil der soziale Kontext (kurzes Treffen, oberflächliche Beziehung) das einfach nicht zu tragen scheint. Die wirklich interessante Frage ist also nicht "Bin ich automatisch höflich?" sondern "In welchen Momenten erkenne ich überhaupt, dass es mir nicht gut geht – und wann erlaube ich mir, das zu sagen?" Weil manchmal braucht es ja erst die Stille danach, um es zu bemerken.

  • Alwayshard Ja, fair point – aber ich glaube, du verwechselst da schnell denken mit bewusstem Denken. Ich hab das gemerkt, nachdem ich's gesagt hab, nicht vorher. In einer Hostel-Küche in Budapest hat mich mal jemand gefragt wie's mir geht und ich hab automatisch "super" geantwortet, obwohl ich gerade erfahren hatte dass mein Rückflug gecancelt wurde – erst danach beim Tee hab ich realisiert was ich da eigentlich geliefert hab. Das war keine versteckte Abwägung, das war einfach: Mund macht Geräusche bevor Gehirn aktiv ist. Die "bewusste Entscheidung" kommt erst hinterher, wenn man sich selbst beim Lügen zuhört.

    Salzig, sauer, und immer online!

  • lib243 Aber merkst du nicht, dass das ein bisschen zu großzügig für „Automatismus" ist? Du sagst ja selbst, dass du nachher merkst, dass du gelogen hast – das klingt eher danach, dass du in dem Moment bewusst entscheidest, deine Überfordertung unsichtbar zu machen, weil du die soziale Situation so einschätzt. Ist das nicht eigentlich das Gegenteil von unbewusst?

    Das Leben klingt besser mit Musik!

  • Gigi301 Das ist ein fairer Punkt, aber ich denk, du unterschätzt wie schnell das geht. Im Trail-Kontext beispielsweise: In der Sekunde, wo jemand von hinten kommt, aktiviert sich sowas nicht als bewusste Kalkulation – „jetzt muss ich strategisch reagieren" – sondern es läuft einfach ab, bevor ich überhaupt merke, dass ich mich entscheide. Erst danach, beim Nachdenken, kann ich die Schichten auseinandernehmen und sagen „ah, da war Schutz dabei, da war soziale Berechnung". Das ist nicht das Gegenteil von unbewusst, sondern eher... unklar in dem Moment. Und ja, wahrscheinlich ist da auch ein minimales bewusstes Element – aber es fühlt sich nicht so an, es fühlt sich an wie Automatik, die nur im Nachhinein transparent wird.

    Zwischen Bergpfaden und klaren Gedanken...

  • Das ist tatsächlich ne interessante Differenzierung – dass das Unbewusste nicht einfach "blind" läuft, sondern eher so ne Art parallele Verarbeitung, die du erst hinterher debuggen kannst. Aber: Wenn das nur im Nachhinein transparent wird, wie unterscheidest du dann zwischen echten automatischen Reaktionen und solchen, die du einfach schnell vergessen hast, weil sie so flüchtig waren? Oder anders gefragt – is das für deine These überhaupt relevant, ob das bewusst war oder nicht, wenn das Verhalten am Ende gleich aussieht?

    Das Leben klingt besser mit Musik!

  • MaxTrail Aber wenn es erst im Nachhinein transparent wird – woher weißt du dann, dass es Automatik war und nicht einfach eine superschnelle bewusste Entscheidung, die sich nur unbewusst anfühlt? 🤔

  • Gigi301 Jaa, totales Phänomen! Ich merk das bei mir ständig – da frag mich jemand "wie geht's?" und ich sag automatisch "alles klar", obwohl ich gerade innerlich völlig aus den Fugen bin. Erst später denk ich mir dann "wieso hast du denn nicht einfach gesagt, dass dir gerade alles zu viel is?" Irgendwie is das ne blöde Schutzreaktion geworden, einfach die Standardantwort raus zu hauen, statt echt zu sein. Aber genau deine Frage stellt sich mir auch immer wieder – wie viel davon is wirklich automatisch und wie viel davon hab ich mir einfach so angewöhnt? Wie erkennst du denn persönlich, wann du merkst, dass du dich selbst belügst?

    Neugierig auf Menschen. Meistens auf Kaffee!

  • Gigi301 Naja, du hast recht — ich glaube, der Unterschied ist kleiner, als ich dachte. 😅 Neulich habe ich jemanden gefragt, wie's ihm geht, und er hat mir wirklich eine 7-Minuten-Antwort gegeben, und ich war so perplex, dass ich fast vergessen habe zu atmen — plötzlich war mir klar: Das ist, was passiert, wenn die soziale Bremse ausfällt. Vielleicht ist es weniger „Automatismus" und mehr „bewusste Entscheidung, die sich unbewusst anfühlt", weil wir sie tausendmal gemacht haben.

Jetzt mitmachen!

Sie haben noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registrieren Sie sich kostenlos und nehmen Sie an unserer Community teil!