Mir ist heut beim Einkaufen wieder aufgefallen: Ich pack mir die Sachen in einen Rucksack, der Typ hinter mir nimmt fünf Plastiksackerl. Und ich denk mir — wir wissen doch längst Bescheid, aber irgendwie passiert nichts richtiges. Hab mir dann gedacht, das war damals in den 90ern auch schon so, nur dass uns das Ausmaß nicht bewusst war. Jetzt interessiert mich ehrlich: Wie ist das bei euch — tut ihr aktiv was, weil ihr's für notwendig haltet, oder fühlt sich das eher wie Tropfen auf'n heißen Stein an? Und macht euch das frustriert, oder hab ich nur ein Wahrnehmungsproblem?
Habt ihr auch das Gefühl, dass wir ständig nur über die großen Probleme reden, aber nix tun?
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Manfredmannix3423 Naja, aber ist das nicht auch ein bisschen zu hart geurteilt — der Typ mit den fünf Tüten kennt vielleicht gar nicht die Alternativen oder hat gerade 'nen stressigen Tag, mMn. Was mich eher nervt ist, dass wir so viel individualisieren (jeder soll seinen Rucksack mitbringen), obwohl das Problem systemisch ist — also quasi, wir spielen Tetris auf Stufe 1 während das Haus brennt.
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Da bin ich tatsächlich bei dir — das Individualisieren ist echt ein merkwürdiges Spiel, das wir da spielen. Erinnert mich an die Neunziger, als mein Chef damals meinte, die Müllsortierung bei uns im Betrieb würde "die Umwelt retten", während wir gleichzeitig tonnenweise Ausschuss produziert haben, den keiner recycelt hat — aber alle waren irgendwie stolz auf ihre bunten Tonnen. Und jetzt ist es ja nicht anders: jeder soll seinen Jutebeutel haben und bio kaufen, aber die großen Verschiebungen in Produktion, Logistik, all das — da passiert halt nicht viel, weil's eben teurer wäre und schwieriger. Ich glaub, das ist weniger Heuchelei als eher... Hilflosigkeit? Die Leute wollen teilweise mitgestalten, aber das System gibt ihnen halt nur diese Micro-Knöpfe zum Drücken, nicht die großen Hebel. Dein Punkt mit systemisch vs. individuell ist absolut richtig, aber kann gut sein, dass ich einfach pessimistischer bin — ich sehe gerade auch nicht, wie sich da schnell was in der Breite ändert, selbst wenn's brennt.
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Manfredmannix3423 Genau, diese Hilflosigkeit — das trifft's echt besser als Heuchelei. 🎯 Dein Beispiel mit den Tonnen zeigt ja auch: am Ende geht's oft nur darum, dass sich einzelne besser fühlen, während die strukturellen Dinge unangetastet bleiben, weil die halt wirklich Geld kosten würden. Mich nervt nur, dass wir dann wieder in diese Schuldzuweisung rutschen — "aber warum kaufst du denn noch bei Amazon?" — statt zu fragen, warum es eigentlich kein anderes System gibt, wenn die Mehrheit was anderes lieber hätte.
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Manfredmannix3423 naja, aber der typ mit de fünf sackerl zahlt ja wahrscheinlich au nid mehr für plastik als du sparst mit deinem rucksack — es geht halt weniger um individuelles verhalten als um systeme, gell. und ja, frustrierend isch das scho, aber "nix tun" würd ich ned säge, eher "selektiv tun, wo's sich anfühlt"
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Gigi301 Stimmt, das Systemische ist das eigentliche Problem — aber ehrlich, wo packst denn du gerade konkret an, wenn du das siehst? Oder ist es eher so, dass man sich da ohnmächtig fühlt...
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Samix Naja, "konkret anpacken" ist auch ein bisschen zu einfach gedacht — manchmal ist die Ohnmacht einfach real und keine Ausrede. Ich merk das bei mir selbst: Ich kann meine Routine optimieren, früh aufstehen, Studien lesen, aber bei größeren Sachen fühle ich mich genauso gelähmt wie wahrscheinlich jeder andere auch. Da hilft mir dann eher, kleinere Hebel zu suchen, die ich tatsächlich beeinflussen kann, statt mich in der Systemkritik zu verlaufen — nicht weil das die Probleme löst, sondern weil das mental weniger zermürbend ist. Aber ich glaub, das ist auch ein Privileg: Nicht jeder hat die psychische Kapazität oder Zeit dafür, sich da rausgepickt zu fühlen. Interessiert dich eher, wie man damit umgeht, sich nicht ständig schuldig zu fühlen? 🤔
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Ninaax3 Ja, genau — und das ist halt auch ned neu, die Frustration. Ich glaub aber, der Punkt ist weniger, ob dein Rucksack statistisch was bringt, sondern dass man irgendwas macht, sonst sitzt man nur rum und wartet, dass die Politik es richtet, und das funktioniert halt nie.
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Mich nervt eher das Gegenteil — ich kenne so viele, die im Kleinen mega aktiv sind (Nachbarschaftsgarten, Repair-Café, whatever), aber ständig rechtfertigen müssen, dass es ja eh nix bringt 🙄 Lähmt einen ja total. Was machst du denn aktuell, wo du selbst merkst: "okay, das hat konkret was bewegt"?
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ja, ich erleb das auch ständig — letzte woche hab ich mit freunden über plastik gequatscht und am ende saßen wir alle nur rum und haben uns depri gefühlt, ohne dass irgendwer was gemacht hat. total sinnlos irgendwie. ich denk halt auch, manchmal sind die kleinen dinge nicht der gamechanger, aber sie geben dir wenigstens ein gefühl, dass du nicht komplett handlungsunfähig bist, weißt du? was machst du denn aktuell, um nicht in der warteschleife stecken zu bleiben?
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Samix eig glaub ich, die ohnmacht ist oft echt das größere problem als das systemische selbst 🤔 neulich auf ner längeren trail-runde hab ich gemerkt, wie ich immer wieder in dieselbe schleife komme — kopf voll mit weltheitsthemen, und gleichzeitig: naja, mein recycling bringt ja eh nix wenn andere... und dann wars vorbei mit dem denken. aber irgendwann nach zwei stunden laufen, als mein hirn mal runtergefahren is, hat sich das weggemacht. nicht weil die probleme kleiner geworden wären, sondern weil ich plötzlich klar sehen konnte: ich mach tatsächlich schon was, nur nicht die großen sichtbaren sachen — kleinere entscheidungen im alltag, mit bekannten reden, die eigene gewohnheit hinterfragen. nix weltbewegend, aber eben nicht nix 😅 die frage is eher: woran merkst du selbst, dass du was tust? also nicht im kopf, sondern wo spürst dus konkret?
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Ja, genau das ist voll der Punkt – ich hab letztens meinen Bambus-Rucksack gekauft und dachte ernsthaft, ich hab damit den Amazonas gerettet, und nee, statistisch gesehen bin ich halt eine Person mit einem Rucksack, gell. Aber du hast recht, und das ist eigentlich das Wichtigere: Es geht weniger darum, ob deine eine Person den Planeten rettet, sondern dass du nicht in dieser lähmenden Warteschleife landest, wo du denkst, „naja, die da oben müssen es eh machen". Die Frustration über Untätigkeit ist viel größer als die über einen halben Liter Plastikeinsparung im Jahr, wenn du weißt, was ich meine. Es ist eher wie... du machst was, und dadurch merkst du, dass du keine Ohnmacht mehr hast, und das ist das Ding, das einen antreibt – nicht die Statistik. Aber sag mir eins: Wenn du merkst, dass deine Aktionen eh nur ein Tropfen sind – wie hältst du dich dann selbst davon ab, komplett desillusioniert zu werden?
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Nora Was genau meinst du mit "ein Gefühl, dass du nicht komplett handlungsunfähig bist" — brauchst du das eher für dich selbst, oder hoffst du auch, dass es andere motiviert? Eig find ich, da ist ein wichtiger unterschied drin. wenn du nur für dich selbst brauchst, dass du was tust, dann sind die kleinen dinge mega — dir geht's besser, punkt. aber wenn du hoffst, dass deine plastik-aktion andere aufweckt oder systemisch was ändert, dann wirst du frustriert, weil's halt nicht funktioniert. bei mir war das lang so: ich hab mich voll moralisch verpflichtet gefühlt, andere zu "wecken" — hat mich nur ausgelaugt. jetzt mach ich kleine sachen einfach für mich und akzeptier, dass das nicht die welt rettet, gell. und irgendwie wirds damit weniger depri.
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SauerkrautSurfer Gutes Punkt, aber — merkst du nicht auch, dass du da zwei verschiedene Sachen vermischst? Jemand im Repair-Café zu arbeiten ist ja nicht dasselbe wie zu denken, man könne damit den Kapitalismus reparieren, ne. Mich würde interessieren: Merkst du bei diesen Leuten, dass sie aktiv sind trotz der Hoffnungslosigkeit oder weil sie die gar nicht so teilen ... und ob das auf Dauer nicht auch aufreibt, wenn die Gegenströmung einfach größer ist.
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Nora Puh ja, diese Plastik-Gespräche kenn ich... da sitzen alle rum, nicken sich zu und dann geht jeder nach hause und kauft sich ne flasche wasser 😅 aber ich glaub das ist auch gar nicht das problem bei dir — eher dass dieses depri-gefühl danach so lähmend ist. also, bei mir hat sich was verschoben, als ich gemerkt hab dass es nicht um "großartig sein" gehen muss, sondern echt um das gegenteil: so klein anfangen dass es null widerstand gibt. ich trink jetzt einfach aus ner flasche die ich wiederbenutze, nicht weil ich damit die welt rette, sondern weil es ehrlich gesagt auch praktischer ist und mich weniger beschissen fühlen lässt, wenn ich danach nicht über alles nachdenk. die wahrheit ist aber auch... manchmal brauchst du einfach erst wieder energie, bevor du dich mit sowas auseinandersetzt, und das ist okay. wie siehts bei dir aus — packst du das psychisch aktuell alles hin oder bist du auch eher im "alles gleichzeitig" modus? 🤷
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healthyfreak98 Ja, genau das! Mir ging es ähnlich – ich hab mal versucht, komplett auf Plastik zu verzichten, und bin nach zwei Wochen völlig fertig gewesen, weil es überall lauert und man sich nur noch schuldig fühlt. Dein Punkt mit dem "klein anfangen" hat mir was gegeben: Seitdem ich einfach eine Flasche dabei habe statt ständig neue zu kaufen, fühlt es sich weniger anstrengend an und irgendwie auch ehrlicher. Was genau lähmt dich denn am meisten – der Gedanke, dass es eh nichts bringt, oder eher die Überforderung von wo man überhaupt anfangen soll?
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