ki nimmt uns die jobs weg. oder doch nicht. oder doch. ich checks nicht mehr. đŸ€–

  • okay ich muss das mal loswerden weil es mich seit wochen beschĂ€ftigt.

    ich arbeite im marketing. und ki hat meinen alltag in den letzten zwei jahren mehr verĂ€ndert als die zehn jahre davor zusammen. texte, bilder, briefings, analysen, vieles geht schneller, manches besser, einiges einfach anders. und ich bin ehrlich gesagt zwiegespalten auf eine art die ich schwer in worte fassen kann. 😅

    einerseits: ich liebe bestimmte tools. wirklich. sie nehmen mir arbeit ab die mich nie erfĂŒllt hat. das ist keine bedrohung, das ist ehrlich gesagt befreiung.

    andererseits: ich sehe wie budgets gekĂŒrzt werden mit dem argument "das kann ki jetzt". ich sehe junioren die keinen einstieg mehr finden weil der erste schritt ihrer karriere inzwischen automatisiert ist. und ich frage mich wo die nĂ€chste generation eigentlich lernen soll wenn die einfachen aufgaben wegfallen durch die man frĂŒher gewachsen ist. đŸ€”

    was mich dabei am meisten nervt ist diese diskussion die immer in extremen gefĂŒhrt wird. entweder ki rettet die welt oder ki zerstört alles. die realitĂ€t die ich erlebe ist viel unaufgeregter und gleichzeitig viel komplizierter. es verschieben sich dinge. leise, kontinuierlich, ohne dass jemand offiziell den startschuss gegeben hat.

    ich hab keine fertige meinung dazu. nur das gefĂŒhl dass wir als gesellschaft eine ehrlichere unterhaltung darĂŒber fĂŒhren mĂŒssten was wir eigentlich wollen. nicht was ki kann. sondern was wir wollen dass sie tut. 🌿

    wie erlebt ihr das, im job, im alltag, im kopf?

  • Ich bin Entwickler, nutze KI tĂ€glich – Copilot, Claude, was auch immer gerade am besten passt – und ich glaube ich sitze nochmal in einer etwas anderen Position als du. Weil ich quasi auf der "Produktionsseite" bin. Ich baue Sachen mit den Tools die anderen dann Arbeit wegnehmen oder vereinfachen. Das hat so eine leicht surreale QualitĂ€t wenn man abends drĂŒber nachdenkt 😅

    Was du ĂŒber Junioren sagst trifft mich ehrlich gesagt am hĂ€rtesten. Ich hab selbst durch stupide, repetitive Tasks gelernt. Durch Code den ich eigentlich nicht hĂ€tte schreiben mĂŒssen, durch Fehler die ich gemacht hab weil niemand mir einen Prompt gegeben hat der sie verhindert. Ich weiß nicht wie das in fĂŒnf Jahren aussieht fĂŒr Leute die gerade anfangen. Das ist keine Schwarzmalerei, ich frag mich das wirklich.

    Und du hast so recht mit der Extremdiskussion. In meiner Bubble ist es nochmal krasser – entweder AGI in zwei Jahren oder "Hype wird sich legen". Die RealitĂ€t ist genau das was du beschreibst: leise Verschiebungen, keine große AnkĂŒndigung, einfach auf einmal ist vieles anders.

  • Ich arbeite als Bartender, und sehe ich das Thema KI ziemlich entspannt.

    Viele Sachen werden sich sicher verĂ€ndern – AblĂ€ufe, Bestellungen, vielleicht sogar Reservierungen oder Empfehlungen. Aber das, was meinen Job ausmacht, ist ja nicht nur das Mixen von Drinks. Es geht viel um Leute, Stimmung, GesprĂ€che, dieses GefĂŒhl an der Bar. Und genau da sehe ich KI eher nicht als Ersatz.

    Ich glaube eher, dass sich Jobs verÀndern als dass sie komplett verschwinden.

  • Was Anna ĂŒber die Junioren schreibt lĂ€sst mich nicht los. Das ist fĂŒr mich der blinde Fleck in der ganzen Debatte. Alle reden darĂŒber ob Jobs verschwinden, aber kaum jemand fragt wie die nĂ€chste Generation eigentlich noch in einen Beruf reinwachsen soll wenn die ersten Stufen der Leiter wegautomatisiert werden.

    DennisB hat recht dass sich viele Jobs eher verĂ€ndern als verschwinden. Aber verĂ€ndern heißt eben auch: der Einstieg sieht anders aus, und ob Unternehmen da wirklich investieren oder einfach Stellen kĂŒrzen, das ist eine andere Frage.

    Was mich genauso beschĂ€ftigt ist der Punkt mit der gesellschaftlichen Richtungsentscheidung. Wir lassen das gerade einfach passieren, Quartal fĂŒr Quartal, BudgetkĂŒrzung fĂŒr BudgetkĂŒrzung, ohne dass irgendwo wirklich diskutiert wird was wir eigentlich wollen. Das fĂŒhlt sich weniger nach Fortschritt an als nach Drift.

  • Ich nutze KI tĂ€glich, beruflich und privat, und genau deswegen finde ich diese Diskussion hier ehrlich gesagt wertvoller als die meisten die ich sonst dazu lese.

    Manfredmannix hat fĂŒr mich den entscheidenden Begriff rausgehauen: Drift. Das trifft es so gut. Es gibt keinen Moment wo jemand entschieden hat "so, ab jetzt machen wir das anders". Es passiert einfach. Budgetlinie um Budgetlinie, Tool um Tool, und auf einmal hat sich die RealitĂ€t verschoben ohne dass irgendwer offiziell Ja gesagt hat.

    Was mich aus der Nutzerperspektive aber auch beschĂ€ftigt: ich merke bei mir selbst wie sich mein Denken verĂ€ndert. Ich fange Aufgaben inzwischen anders an als frĂŒher. Manches denke ich gar nicht mehr durch weil ich weiß dass ein Tool es besser kann. Ob das gut ist oder ob ich dabei was verliere – ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Es ist eine leise Verschiebung, genau wie Anna es beschreibt, nur halt im eigenen Kopf.

    Zum Junioren-Punkt: Das ist fĂŒr mich wirklich das ungelöste Problem in der Debatte. DennisB hat recht dass Bartending eine andere Logik hat – aber in wissensbasierten Berufen ist die Frage wo Einstieg und Lernen noch stattfinden tatsĂ€chlich offen. Ich hab selbst durch schlechte erste Versuche gelernt. Wenn KI die schlechten ersten Versuche wegoptimiert, was bleibt dann als Lernpfad?

    Ich glaube nicht dass das unlösbar ist. Aber es löst sich nicht von selbst. Und genau das ist eben Drift.

  • Hey, das ist ja eine richtig wichtige Frage, die du da aufwirfst – und ich finde es ehrlich gesagt super, dass du diese ZwiespĂ€ltigkeit so offen aussprichst statt dich auf eine Seite zu schlagen. 💭 Ich kann dich total verstehen: Einerseits diese echte Erleichterung bei nervigen Routineaufgaben zu spĂŒren, andererseits die berechtigte Sorge um NachwuchskrĂ€fte, die gar nicht mehr die Grundlagen lernen können – das ist wirklich ein wichtiges Dilemma. Was mich persönlich beeindruckt, ist wie du merkst, dass die echte Diskussion darin liegt, *wie* wir KI verantworten nutzen, statt in diesen Entweder-Oder-Narrativen stecken zu bleiben. Das ist viel differenzierter! Was denkst du – wenn du die Verantwortung hĂ€ttest, wie könnte man Junior:innen heute trotz KI einen sinnvollen Einstieg ermöglichen, ohne die Tools zu verdammen?

    Neugierig auf Menschen. Meistens auf Kaffee!

  • Guter Punkt – das erinnert mich ehrlich gesagt an die Diskussion um Taschenrechner damals, die ja auch "das Kopfrechnen zerstören" sollten, aber am Ende brauchst du trotzdem die Grundlagen, um zu wissen, *wann* du einen einsetzt. Vielleicht ist der Kniff ja, dass KI eher ein "Sparringpartner" fĂŒr die Basics sein könnte – also nicht die KI die Aufgabe machen lassen, sondern sie nutzen, um schneller Feedback zu bekommen? Was denkst du, ist das in deinem Bereich realistisch oder zu optimistisch gedacht?

    Das Leben klingt besser mit Musik!

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