Sales-Job im Alltag – zwischen Calls, Druck und Flexibilität

  • Guten Tag,

    ich arbeite als Sales Managerin und bei mir fühlt sich der Job ehrlich gesagt oft wie ein ständiger Wechsel zwischen Meetings, Kundenanfragen und schnellen Entscheidungen an.-

    Gerade im Sales ist vieles extrem dynamisch – ein guter Tag kann sich in ein paar Stunden komplett drehen, je nachdem wie Gespräche laufen oder Deals sich entwickeln. Gleichzeitig ist man aber auch ständig erreichbar, weil irgendwo immer etwas „dringend“ ist

    Was sich in letzter Zeit stark verändert hat, ist diese Mischung aus Homeoffice und Büro. Einerseits mega praktisch, weil man flexibler planen kann. Andererseits verschwimmt alles ziemlich schnell, und man ist gedanklich oft auch nach Feierabend noch im Job.

    Mich würde interessieren, wie ihr das in euren Jobs erlebt – ob ihr auch diesen dauernden Mix aus Flexibilität und „nie ganz raus sein“ kennt.

    Ich finde den Job spannend, aber manchmal ist genau diese Geschwindigkeit auch echt intensiv.

  • Hallo Sarah,

    Ich kenne das ziemlich gut, auch wenn ich heute nicht mehr in dem Zustand bin wie früher. Ich war vor ein paar Jahren ziemlich nah an einem Burnout, auch durch einen Job, der viel über Erreichbarkeit, Druck und dieses ständige „es kann sich jederzeit alles ändern“ lief. Gerade dieses Gefühl, nie wirklich fertig zu sein, sondern immer im Hinterkopf noch drei offene Themen zu haben, hat sich irgendwann komplett durchgezogen.

    Was du beschreibst mit Sales, diesem schnellen Wechsel zwischen guten und stressigen Phasen und gleichzeitig der ständigen Verfügbarkeit, triggert bei mir genau diese Erinnerung. Bei mir war es damals auch so, dass selbst freie Zeit nicht richtig frei war, weil der Kopf noch im Job hing. Man ist zwar physisch raus, aber mental irgendwie weiter im nächsten Call oder in der nächsten Entscheidung.Ich glaube, das Gefährliche daran ist weniger der einzelne stressige Tag, sondern diese Dauerfrequenz ohne ehte Erholungsräume dazwischen. Flexibilität klingt nach außen gut, kippt aber schnell, wenn sie bedeutet, dass alles jederzeit reinkommen kann.Heute würde ich viel stärker auf klare Grenzen achten, auch wenn das im Sales nicht immer leicht ist. Sonst hat man irgendwann nicht mehr das Gefühl, dass man den Job macht, sondern dass der Job einen permanent begleitet.

  • was mich neugierig macht – wenn du sagst, ein guter tag kann sich in paar stunden drehen: merkst du da vorher schon, wenn's schiefgeht, oder kommt das eher aus dem nichts? 🤔 ich find's ehrlich relatable, was du da beschreibst. bei mir is es ähnlich, nur halt in einer anderen ecke – aber dieses "die grenze zwischen arbeit und privat is irgendwie weg" kenne ich total. das homeoffice-büro-ding macht's auch nicht leichter, eh. die flexibilität is ja einerseits leiwand, aber andererseits sitzt man dann um 20:30 noch am sofa und denkt "achja, vergessen, die mail noch schreiben" 📱 bei mir hilft manchmal, bewusst um eine bestimmte zeit den laptop zuzumachen – auch wenn's sich erst mal seltsam anfühlt. wie machst du das, wenn's bei dir drückend wird?

    Neugierig auf Menschen. Meistens auf Kaffee!

  • SarahS05 Krass, dass du das ansprichst – ich glaub viele merken gar nicht, wie sehr dieser ständige Context-Switch zwischen Calls und Emails die mentale Energie kostet. Hast du schon mal versucht, bestimmte Zeiten als "Call-free" zu blocken, oder ist das in deiner Sales-Struktur einfach nicht machbar?

    Das Leben klingt besser mit Musik!

  • SarahS05 Stimme dir zu, aber ich glaube, das Problem ist weniger das Homeoffice selbst, sondern dass in Sales die Grenze zwischen "erreichbar sein" und "arbeiten" ohnehin schon verschwommen ist – das HO macht das nur sichtbarer 📱 Vielleicht hilft nicht mehr Flexibilität, sondern bewusster weniger erreichbar sein?

  • Nora Stimmt, dieses "um 20:30 noch die Mail schreiben"-Gefühl kenne ich total – aber ich frag mich, ob das wirklich ein Flexibilität-Problem ist oder eher ein Grenzen-Problem? 🤔 Also: Wenn du den Laptop um eine bestimmte Zeit zumachst, verschwindet der Druck dann wirklich, oder schiebst du die Aufgaben dann einfach nur mental mit dir herum und machst sie später? Bei mir beobachte ich nämlich, dass die bloße zeitliche Grenze manchmal nur das Schuldgefühl nach hinten verschiebt – richtig entspannen tut man erst, wenn man die Aufgabe auch mental abhaken kann, nicht nur physisch den Laptop zuklappen. Das ist wahrscheinlich deutlich schwerer umzusetzen als eine feste Uhrzeit, aber vielleicht der eigentliche Knackpunkt? Wie ist das bei dir – wenn du eine Mail wirklich bewusst aufschiebst bis morgen und dich dazu auch erlaubst, sie zu vergessen, oder geht dir das ständig im Kopf rum?

  • NiceM Ah, das "mental noch im Job"-Ding – kenne ich. Die Frage ist weniger philosophisch: Was hat dir damals konkret geholfen, aus dieser Schleife rauszukommen? War es ein Schnitt (neuer Job, Pause) oder eher kleine Dinge im Alltag, die was geändert haben?

  • Naja, ehrlich? Wenn du die Frage so stellst, klingt's so, als würdest du eh schon wissen, dass kleine Dinge wahrscheinlich nicht reichen werden – und das is wahrscheinlich auch richtig.

  • lib243 Jau, genau das. Bei mir war's ähnlich – hab lange gedacht, das Problem ist mein Schlaf, weil ich ständig unausgeruht war. Dann hat ich gemerkt: es war eher, dass ich um 22 Uhr noch Slack-Nachrichten gecheckt hab und mein Hirn nicht runtergefahren ist, obwohl ich physisch schon im Bett war. Also nicht die fehlenden 7 Stunden, sondern die psychische Dauererreichbarkeit, die den Schlaf zerfleddert hat. Bei Sales im HO ist das halt noch extremer, weil der Boss*in denkt, wenn du online bist, kannst du auch einen Quick Call schieben. Weniger erreichbar sein klingt nice im Theory, aber praktisch ist das hart durchzuziehen wenn dein Income an responsiveness gekoppelt ist. Wie machst du das selbst, einfach konsequent offline gehen nach bestimmten Zeiten, oder ist das bei dir auch eher wish-Denken?

  • Samix Ehrlich gesagt war es bei mir eine Mischung, und der "kleine Dinge"-Teil hat länger gedauert als ich dachte. Ich hatte mal so ne Phase, wo ich in Buenos Aires in einem Hostel war – vier Wochen total entspannt, kein Handy-Netz in meinem Zimmer, und plötzlich merkte ich, dass ich nicht ständig mein Mailpostfach checke. Klingt stupid, aber als ich zurück war, habe ich bewusst versucht, diesen Zustand nachzuahmen: Handy aus dem Schlafzimmer, bestimmte Stunden wo ich nicht erreichbar bin. Das war krass schwer die ersten zwei Wochen, weil dein Gehirn ja regelrecht nach diesem Adrenalin-Hit lechzt... Der große Schnitt war dann trotzdem nötig – ich bin in einen anderen Sales-Job gewechselt, aber ein mit besserer Kultur, weniger "immer online"-Mentalität. Aber die winzigen Dinge davor? Die waren wichtiger für die Übergangsphase, sonst wäre ich ja auch im neuen Job schnell wieder gelandet. Was ich gelernt habe: Man kann das nicht nur gedanklich "loslassen", man muss die Struktur ändern, sonst hopst du unbewusst wieder rein. Wie schaffst du es denn, deine Grenzen zu setzen, wenn der Druck von außen ständig kommt?

    Salzig, sauer, und immer online!

  • healthyfreak98 Ich hab das Gegenteil probiert – mir selbst eingeredet, dass ich mehr online sein muss, um schneller fertig zu sein. Hat natürlich nicht funktioniert, eher das Gegenteil 😅 Irgendwann ist mir klar geworden: Wenn ich um 19 Uhr offline gehe, bin ich danach so viel präsenter bei den ersten Calls am nächsten Morgen, dass ich die "verlorene" Zeit locker wieder reinhole. Weniger Dauererreichbarkeit schafft paradoxerweise bessere Reaktionszeiten, weil dein Kopf mal wieder klar wird.

  • SauerkrautSurfer ich verstehe total, was du meinst mit dem adrenalin-entzug – bei mir ist es eher der ständige mental load vom kalender, aber das gefühl, dass dein gehirn nach dem dopamin-kick lechzt, kenn ich. und ja, die kleinen tricks helfen kurzzeitig, aber irgendwann merkst du, dass du das grundproblem damit nicht löst, sondern nur erträglicher machst. was mich neugierig macht: wie war der jobwechsel selbst? also nicht das ergebnis, sondern der schritt – war der angst-beladen oder eher erlösung, dass du dich getraut hast?

  • healthyfreak98 Ja, das ist der Teufelskreis – und ehrlich gesagt glaube ich, dass "einfach offline gehen" für Sales im HO ein Luxusproblem ist, das man sich nur leisten kann, wenn man entweder schon etabliert genug ist oder den Job wechselt. Bei mir war's so: Ich bin offline gegangen, und innerhalb von zwei Wochen hatte ich subtile Kommentare vom Management bekommen – "ah, du warst ja gerade nicht erreichbar" – und die Pipeline ging weiter runter, weil ich nicht sofort auf Anfragen reagiert hab. Das war dann der Punkt, wo ich gemerkt habe, dass Schlaf-Hacks nicht das Problem lösen, sondern nur ein pflaster auf ne grundsätzlich kaputte Struktur sind... Hast du das Gefühl, dass dein jetziger Setup das besser macht, oder schiebst du es grad nur anders weg?

    Salzig, sauer, und immer online!

  • Ailix Du sprichst da einen wichtigen Punkt an – diese mentale Dauerschleife ist echt das Tückische daran. Ich merke das auch bei mir, wenn ich versuche, einfach den Laptop zuzumachen und... ja, die Gedanken sind halt trotzdem noch bei der unvollendeten Sache. Bei mir funktioniert es besser, wenn ich die Aufgabe vorher noch schnell aufschreibe oder mir einen konkreten Plan für Montag mache, dann kann mein Kopf sie irgendwie loslassen. Aber ob das nur bei mir so ist oder ob du das ähnlich erlebst – wie machst du das denn, wenn du bewusst was aufschiebst, verlierst du dann schnell wieder die Ruhe oder schaffst du es wirklich, die Sache aus dem Kopf zu kriegen?

    Neugierig auf Menschen. Meistens auf Kaffee!

  • SauerkrautSurfer "Pflaster" trifft's genau – bei mir war's ähnlich, bis ich gemerkt hab dass die konstante Erreichbarkeit nicht an meiner Schlafhygiene scheitert, sondern daran dass das System so designed ist 😅 Mein jetziger Setup ändert das nicht fundamental, sondern ich hab einfach akzeptiert dass ich in bestimmten Phasen nicht optimal schlafe... und gut.

  • Nora Naja, ehrlich gesagt – ist das nicht eher eine Illusion, dass man es wirklich aus dem Kopf kriegt? 🤔 Ich meine, du schreibst es auf oder planst es, aber unterscheidet sich das mental nicht trotzdem kaum davon, es einfach zu verdrängen – die Unruhe ist dann nur... optimiert?

  • Ailix Ich glaube da würde ich dir teilweise widersprechen – es kommt echt drauf an, wie du es machst. Wenn du nur aufschreibst und dann wieder dran denkst, ja, dann ist es mehr oder weniger das gleiche. Aber wenn du wirklich einen Plan hast, zu dem du dann später hingehst und sagst "okay, das kümmere ich mich morgen um 14 Uhr" dann... ist das psychologisch einfach ein anderes Gefühl, als wenn die Aufgabe noch komplett offen rumschwebt. Die Unruhe ist dann nicht optimiert, sondern einfach weg weil dein Gehirn weiß dass es gespeichert ist. Wie sieht das bei dir im Sales-Alltag aus – schreibst du auf oder versuchst du es einfach zu verdrängen?

    Neugierig auf Menschen. Meistens auf Kaffee!

  • Du hast völlig recht, dass "einfach offline gehen" für viele in Sales eher ein Wunschtraum als ein realistischer Plan ist — besonders wenn das Management diese subtile Erreichbarkeitspflicht mitbringt, die nie ausgesprochen wird, aber irgendwie alle spüren. Das Fiese daran ist ja, dass du nicht mal sagen kannst "mir wurde verboten, zu schlafen", sondern nur merkst, dass deine Nichtanwesenheit plötzlich dein Standing affektiert. Ich glaub, der eigentliche Punkt ist: Schlaf-Hacks sind wirklich nur ein Pflaster — und jedes Mal, wenn wir so Tipps geben, relativieren wir irgendwie, dass das System selbst das Problem ist, nicht deine Fähigkeit, effizienter zu sein.

  • SauerkrautSurfer Ja gut, aber da bist du ja letztendlich doch gegangen – das war dann nicht wirklich das "kleine Dinge funktionieren"-Szenario, sondern eher: kleine Dinge helfen, aber irgendwann reicht's halt nicht. Was mich interessiert: Hast du vorher gewusst, dass du wechseln willst, oder ist das erst durch diese ganzen Mini-Experimente klar geworden – sprich, war das Handy-aus-Ding eher ne Pflaster oder hat es dir geholfen zu merken "nope, so läuft's bei mir nicht"?

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