Klar, wenn Athleten wie Krause neue PBs laufen, ist das beeindruckend — aber stimmt es wirklich, dass das der Erfolg ist, den wir messen sollten? Mich irritiert eher, dass wir im Konsum immer nur auf die glänzende Leistung starren, ohne zu fragen, was dahinter steckt: Wie viel Geld, Sponsoring, privilegierter Zugang zu Trainern und Infrastruktur war nötig? Und: Für wen ist dieses Erfolgsmodell überhaupt nachahmenswert — bzw. erreichbar? MMn übersehen wir dabei komplett, dass wir damit ein Konsummodell normalisieren, das Exzellenz an Ressourcen koppelt, statt sie zu democratisieren. Was denkst du — müssten wir nicht anders über Leistung sprechen, wenn wir ehrlich sein wollen?
Warum feiern wir eigentlich Bestleistungen, aber ignorieren die Trainingskosten?
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Ailix Aber geht es dir da wirklich um die Leistungsmessung oder eher darum, dass Erfolg so ungleich verteilt ist? Ich glaube ehrlich, du hast nen Punkt — es ist krass, wenn wir nur die Zeit oder die Medaille feiern und so tun, als wäre das reine Willenskraft. Gleichzeitig ... auch normale Läufer oder Kraftsportler traininieren für ihre PBs und das motiviert sie, ohne dass sie Millionen haben. Vielleicht geht's weniger darum, anders über Leistung zu sprechen, sondern eher die Ressourcen-Ungerechtigkeit beim Namen zu nennen — statt das System komplett zu delegitimieren.
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Ailix Ja, das eh, aber ich glaub, das Problem is älter als wir denken — auch in den 90ern war klar, dass der mit dem besseren Budget gewinnt, nur haben's weniger Leute so deutlich ausgesprochen. Was mich eher irritiert: Ich glaub nicht, dass wir da durch anderes Reden viel ändern, solange die wirtschaftlichen Anreize gleich bleiben — es geht ja nicht um Unwissenheit, sondern um Struktur. Gleichzeitig: Wenn wir nur über Bedingungen reden und nie über die Leistung selbst, machts die Sache auch nicht gerechter, sondern eher deprimierender, mMn. Vielleicht wärs ehrlicher, einfach zu sagen, dass Spitzensport unter kapitalistischen Bedingungen halt so funktioniert, und dann woanders anfangen — bei Amateur-Strukturen z.B., wo's weniger um Geld geht. Da kenn ich mich aber auch nicht so aus, wie du dich vielleicht auskennst.
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Du sprichst da was Wichtiges an: Diese "reine Willenskraft"-Illusion ist wirklich hartnäckig. Ich erinnere mich noch an ein Hostel in Buenos Aires, wo ich mit einem argentinischen Ultraläufer redete — der trainierte morgens vor seiner Arbeit in einer Fabrik, und abends nochmal im Park, weil er sich kein Gym leisten konnte. Und der war hungrig auf seine PB, nicht weil ihm jemand Millionen versprach, sondern weil es sein eigenes Projekt war. Andererseits hatte ich später in Berlin einen Freund aus reichem Haus, dem sein Papa einen Personal Trainer bezahlte — und der Typ war völlig demotiviert, weil alles zu einfach war. Ich glaube, du hast recht: Es geht nicht darum, dass normale Menschen sich nicht motivieren können. Sondern eher darum, dass wir bei prominenten Athleten so tun, als würde die Medaille nur aus Mindset entstehen — und dabei ignorieren, dass hinter einer Olympiavorbereitung eben auch Ernährungsberater, Physiotherapeuten, finanzielle Freiheit steckt. Die Ungerechtigkeit zu benennen — "dieser Athlet hatte diese Chancen" — delegitimiert doch nicht die Leistung, oder? Was würde denn für dich anders aussehen, wenn wir ehrlicher darüber sprechen würden?
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Ailix Ja, aber — du rutschst da gerade in eine klassische "Struktur ist schuld"-Schleife, und das lenkt ab vom eigentlichen Problem. Nicht jeder Top-Athlet hatte privilegierten Zugang, und nicht jede Person ohne Ressourcen schafft es automatisch, wenn die Bedingungen besser wären — manchmal ist einfach auch echte Leidenschaft und dumme Hartnäckigkeit der Unterschied, den wir nicht gerne anerkennen, weil es weniger bequem ist als "das System ist unfair".
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Naja, aber genau da liegt der Haken: du vergleichst gerade den Hobbyläufer mit dem Elite-Athleten, als wäre das dasselbe Problem. Der eine hat nen Job, trainiert nach Feierabend, der andere hat Physiotherapeuten, Ernährungsberater und kann sich nen ganzen Tag nur dem Sport widmen – und selbst dann reicht's ohne finanzielle Rückenstabilität oft nicht. Das eine ist Motivation, das andere ist Infrastruktur, mMn. Klar, die PB des Hobbyläufers verdient auch Respekt, aber wir müssen nicht so tun, als würden beide unter denselben Bedingungen starten – das ist einfach gelogen. Die Frage ist weniger "wie feiern wir richtig", sondern eher: warum normalize wir ständig, dass die besseren Chancen unsichtbar bleiben? Was würde sich denn konkret ändern, wenn wir beim Feiern auch sagen würden "und diese Person hatte ein Team im Rücken"?
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Manfredmannix3423 Naja, also beim Trailrunning fällt mir das ziemlich deutlich auf — neulich auf nem längeren Trail hab ich gemerkt, wie sehr die Bedingungen entscheiden: Wer sich nen Coach leisten kann, bessere Schuhe, Zeit zum Trainieren statt Vollzeitjob, der läuft einfach anders. Aber du hast recht, dass bloßes Darüber-Sprechen wenig ändert, solange die Struktur bleibt. Was mich interessiert: Wenn du sagst, bei Amateur-Strukturen geht's weniger ums Geld — meinst du damit eher dass die Konkurrenz kleinerer ist, oder dass Menschen dort tatsächlich anders motiviert sind? Weil ich hab das Gefühl, dass Ehrgeiz und Vergleich auch im privaten Trainingsgruppen-Kontext schnell reinschleichen, auch ohne große Preisgelder.
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MaxTrail Guter Punkt, aber ich denk, das ist weniger ein Entweder-Oder. Klar schleicht sich Vergleich überall ein — das war in meiner Laufgruppe Anfang 2000 nicht anders. Aber der Druck war einfach eine andere Größenordnung, wenn keiner von uns mit Sponsoring rechnen konnte und niemand die Bestzeit ins Internet gestellt hat. Vielleicht ist die echte Frage weniger, ob Ehrgeiz da ist, sondern ob die Struktur ihn ständig anfeuert oder nicht.
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SauerkrautSurfer Ah ja, der argentinische Typ — das ist genau das, was mir beim Laufen immer wieder auffällt. Der Hunger kommt nicht vom Geld, der kommt von innen. Aber — und da würde ich deinen Berlin-Freund anders lesen — ich glaub nicht, dass Demotivation von zu viel Unterstützung kommt. Eher dass manche Leute eh nie brennen dafür, egal wie viel Papa zahlt. Der Argentine hatte sein eigenes Ding, das war sein. Der andere Typ vielleicht einfach nie wirklich seines. Das ist glaub ich der Unterschied: Ob's dein Projekt ist oder ob du es lebst, weil die Bedingungen grad passen. Und wenn du tagsüber in der Fabrik schindest und abends noch laufen gehst, weil du musst, das ist halt eine andere Energie als jemand, dem alles serviert wird. Wo siehst du da eigentlich die Grenze — wann wird Unterstützung zum Handicap?
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Aber inwiefern unterscheidest du denn zwischen "echtem Hunger" und dem, was durch Ressourcen überhaupt erst möglich wird? Ich frag deshalb, weil ich beim Krafttraining gemerkt hab: Wenn ich schlecht schlafe oder mir Magnesium fehlt (was auch Geldding ist, klingt klein, aber), sinkt meine Motivation messbar — nicht weil ich weniger "brennen" würde, sondern weil mein Körper einfach nicht kann. Das würde ich nicht als fehlender innerer Drive interpretieren, sondern als objektive Belastung. Bei deinem Argentinier und dem Berlin-Typ glaub ich eher, es war nicht "Hunger vs. kein Hunger", sondern der eine konnte sich auf eine Sache fokussieren, der andere musste parallel überleben. Das ist psychologisch ein massiver Unterschied — nicht moralisch. Der Fabrik-Läufer, der abends noch rennt, hat vielleicht sogar mehr Willenskraft, aber eben auch weniger Erholung zum Weitermachen. Das mit "andere Energie" zu labeln, lässt sich leicht als romantisch-hartes-Leben-Nostalgie missverstehen. MMn sollten wir da ehrlich unterscheiden: Energie kommt oft nicht aus der Seele, sondern aus den Bedingungen.
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Ninaax3 Ja, aber halt – du beschreibst jetzt eigentlich zwei verschiedene Dinge, die ich vielleicht zu schnell zusammengeworfen hab. Der Hobbyläufer und der Elite-Athlet sind tatsächlich nicht vergleichbar, da geb ich dir recht. Aber meine eigentliche Frage war weniger "wie feiern wir gerecht", sondern eher: Warum akzeptieren wir als Gesellschaft, dass Exzellenz nur für die zugänglich ist, die eh schon privilegiert sind – und statt das zu kritisieren, machen wir es zur Norm? Das nervt mich viel mehr als einzelne unfaire Vergleiche, gell. Was mich bei deinem Punkt irritiert: du sagst, die besseren Chancen bleiben unsichtbar... aber ist das wirklich ein Problem der Kommunikation – dass wir es nicht klar genug aussprechen –, oder ist es eher ein strukturelles Problem, das wir einfach akzeptiert haben? Weil wenn ein Athlet öffentlich sagt "Ich konnte das nur schaffen, weil meine Familie mir ein teures Trainingslager bezahlt hat"... ändert das wirklich was, oder fühlt sich das dann nicht sogar noch privilegierter an? Was würde für dich konkret anders aussehen – nicht in der Rhetorik, sondern im System selbst?
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