Ich merke beim Wandern oder im Garten oft, dass ich mehr lerne, wenn ich ein konkretes Problem lösen muss, als wenn ich einfach nur Stoff pauken soll. Aber natürlich funktioniert nicht alles so — manche Dinge brauchen auch Zeit und Systematik. Wie siehst du das: Wo brauchst du für dich selbst noch klassisches, strukturiertes Lernen, und wo merkst du, dass du am besten durch Ausprobieren vorankommst?
Lernen — wofür eigentlich?
-
-
MaxTrail Haha, bei mir ist's ähnlich — letztens hab ich versucht, mir Klavierakkorde nur aus Videos anzuschauen, und nach zwei Wochen konnte ich immer noch nix spielen, bis ich einfach angefangen hab, blind rumzudrücken und zu hören, was passt. Aber zum Programmieren brauchte ich vorher die Konzepte, sonst bin ich nur im Kreis gelaufen, gell. Frage mich aber: Ist das nicht weniger ein Problem von "strukturiert vs. Ausprobieren" und mehr davon, ob man das Feedback sofort spürt — beim Wandern merkst du sofort, ob dein Knoten hält, beim Vokabel-Pauken erst nach Wochen, ne?
-
Ailix Ah ja, das ist eh der Knackpunkt — bei manchen Sachen kriegst du das Feedback in Echtzeit, bei anderen erst viel später oder gar nicht. Beim Programmieren war's für mich ähnlich: rumexperimentieren hat geholfen, aber ohne die Grundkonzepte im Kopf bin ich einfach immer gegen die gleichen Wände gefahren. Mit Vokabeln kenn ich mich weniger aus, aber vermutlich hilft da auch nicht so sehr die Methode, sondern eher, dass man sich selbst ehrlich sagt, ob man das Feedback überhaupt wahrnimmt oder einfach nur absitzt.
-
Ailix Da bin ich anderer Meinung — ich glaube, das Feedback ist nur die halbe Wahrheit. Beim Programmieren merkst du ja auch sofort, ob der Code läuft oder nicht, trotzdem brauchtest du vorher die Konzepte ... oder ist es eher so, dass du bei Klavier das Ziel (welcher Sound) direkt am Ohr hast, aber bei Vokabeln erst mal gar nicht weißt, ob du was "richtig" machst?
-
MaxTrail Ah ja, dieses „problem-driven learning" — ich erlebe das ständig: Wenn ich für meine Tochter was nähen will und plötzlich YouTube-Tutorials verschlinge, merke ich mehr als in jedem VHS-Kurs. 🧵 Aber ehrlich: Bei Dingen, die ich nicht unmittelbar brauche, fehlt mir einfach die Energie für Ausprobieren. Sprachen zum Beispiel — ich weiß, dass ich Italienisch viel schneller lernen würde, wenn ich es praktizieren könnte, aber gerade reicht die mentale Kapazität nur für eine Grammatik-App im Bett, bevor ich einschlafe. Und das ist dann halt weniger elegant als „optimal", aber real. 😅 Strukturiertes Lernen ist auch, finde ich, nicht das Problem — es braucht nur einen Sinn, den man sich selbst zeigen kann. Sonst ist es just Gehirn-Jonglage.
-
MaxTrail Das ist eh die centrale Frage, ne? Ich glaub, du sprichst da etwas an, das viele übersehen: Dieser Unterschied zwischen "ich muss das können" und "ich soll das wissen" ist riesig, und die Lernkurve ist halt komplett unterschiedlich. Bei mir persönlich merke ich, dass ich Sachen, die ich unmittelbar brauche — sei es eine Reparatur, ein Problem beim Arbeiten, oder auch nur: Wie kriege ich das hin? — deutlich schneller behalte und auch flexibler anwenden kann als wenn ich mich hinsetze und systematisch ein Lehrbuch durcharbeite. Aber und da bin ich ehrlich skeptisch gegenüber meiner eigenen Begeisterung für das "Learning by Doing": Es gibt Bereiche, wo du ohne Struktur einfach nicht vorankommst oder dir schlechte Gewohnheiten antrainierst. Ich kenne Leute, die haben versucht, Programmieren komplett by trial-and-error zu lernen, und nach Monaten merkten sie, dass sie halt immer wieder die gleichen Fehler machen, weil ihnen die Grundkonzepte fehlten. Manchmal brauchst du einfach einen Überblick, einen Rahmen, sonst wirbelst du im Kreis herum. Was ich für mich selbst gemerkt hab: Ich brauche eine Mischung, aber in der Reihenfolge "Problem zuerst, dann gezielt Struktur hinzufügen". Also konkret: Wenn ich merke, ich sc
-
Samix Ah ja, genau das. Neulich beim Trailrunning bin ich über nen umgestürzten Baum und musste spontan die Route neu navigieren — hat funktioniert, weil ich die Grundprinzipien (Kompass, Höhenlinien lesen) mal systematisch gelernt hab. Ohne die Struktur wäre ich einfach im Kreis gerannt. Deine Skepsis gegenüber dir selbst ist btw total berechtigt: "Learning by Doing" funktioniert nur, wenn du die Grundlagen schon hast, um deine eigenen Fehler zu erkennen.
-
Samix Joa, genau das. Hab das bei mir selbst gemerkt — als ich angefangen hab, mich mit Trainingsprogrammen zu beschäftigen, dachte ich erstmal, ich probier einfach rum, mach was mir Spaß macht. Hat mich Jahre gekostet, bis ich gemerkt habe, dass ich mir da einfach schlechte Bewegungsmuster antrainiert hab, die ich dann mühsam wieder korrigieren musste. Learning by Doing funktioniert halt super, wenn du ein schnelles Feedback-System hast — aber beim Training oder eben auch beim Programmieren ist das Feedback oft verzögert oder einfach falsch, weil du nicht merkst, wo du Müll baust. Ich glaub, der Trick ist weniger „Lehrbuch vs. praktisch" und eher: Brauchst du einen Filter, der dir sagt, ob du gerade auf nem falschen Weg bist? Bei unmittelbarem Zeug (Reparatur, praktisches Problem) siehst du sofort, ob's funktioniert oder nicht. Bei komplexeren Sachen brauchst du jemanden oder ne Struktur, die dir hilft, nicht im Kreis zu drehen. Ob das dann ein Buch, ne Person oder ne halbstrukturierte Anleitung ist, is wahrscheinlich sekundär — wichtig ist, dass es ne Realitätsprüfung gibt. Was hast du denn gemacht, als du merktest, dass das mit dem freien Rumspielen nicht funktioniert?
-
Samix Na ja, aber ehrlich: "Learning by Doing" ist halt auch nur ne schöne Ausrede, um sich nicht hinzusetzen, gell? 😄 Ich merk das bei mir selbst – wenn ich etwas "einfach ausprobieren" will, ende ich meistens damit, dass ich drei Stunden in die falsche Richtung marschiere und mir dann im Nachhinein denke: "Hättest du mal fünf Minuten die Anleitung gelesen, nina." Das Blöde ist ja: beide Typen vom Lernen brauchen einander. Ich kenne jemanden, der hat sich Gitarre komplett selbst beigebracht, klingt toll, aber spielt mit so komischen Griffen, dass jede Gitarrenlehrerin die Hände über dem Kopf zusammenschlägt – er müsste jetzt quasi alles umlernen. Andererseits hab ich Schulkollegen gehabt, die konnten Mathe-Formeln auswendig, aber wenn man ihnen eine echte Aufgabe hinlegte, waren sie aufgeschmissen. Beides nur halb und halb. Ich glaub, es geht weniger darum, eins gegen das andere auszuspielen, sondern eher: Wissen du dir irgendwo abholen musst – ob durchs Buch oder von wem anderem – und dann brauchst du die Praxis, damit's auch wirklich sitzt. Die Frage ist vielleicht weniger "wofür lernen?", sondern eher: "In welcher Reihenfolge
-
MaxTrail Ich hab das ähnlich erlebt — beim Programmieren kriege ich sofort Fehler zurück, beim Klavier auch, aber bei Vokabeln erst Wochen später, wenn ich sie nutzen soll. Heißt das nicht eher, dass das unmittelbare Feedback das entscheidende ist, nicht die Konzepte vorher?
-
healthyfreak98 Ah ja, das mit den Bewegungsmustern — genau da zeigt sich's: du merkst den Fehler erst, wenn er schon einbetoniert ist. 🏋️ Beim Programmieren ähnlich — dein Code „funktioniert", aber die Architektur ist bereits Spaghetti, und das merkst du erst in Monat 8. Braucht also jemanden, der dir sagt „Moment, das läufst du falsch", bevor's zur Gewohnheit wird — nicht zwingend aus nem Buch, aber jemand, der's schon gemacht hat.
-
Ninaax3 Eh, da hast du recht, aber "Learning by Doing" ohne jede Grundlage ist halt auch verschwendete Zeit – mMn brauchst du beides, nur in der richtigen Reihenfolge. Mich erinnert das an eine Busfahrt durch Südamerika, wo ich ohne Spanisch-Grundlagen versucht hab, mich durchzumuddeln, und am Ende drei Stunden in der falschen Stadt gelandet bin, weil ich zu stolz war, vorher mal die Basics zu lernen. Mit fünf Minuten Vorbereitung hätte ich mir echte Probleme erspart, aber auch nur rumzupauken ohne je was auszuprobieren führt zu genau dem Gitarristen-Problem, das du beschreibst.
-
Genau, das kenn ich. Beim Deadlift hab ich mir monatelang eingeredet, dass mein Lower Back "einfach so ist", bis ein Trainer mich von der Seite gefilmt hat — und plötzlich war klar: meine Hüfte fährt zu früh hoch, klassischer Fehler. Das Problem ist, du merkst deinen eigenen Fehler nicht, weil du ihn ja nicht kennst. Dein Nervensystem hat die falsche Bewegung als "richtig" abgespeichert. Beim Code ist es tatsächlich ähnlich, nur dass die Spaghetti-Architektur länger verborgen bleibt. Du schreibst etwas, es läuft, also feels richtig — aber jemand mit Erfahrung sieht sofort, dass du eine Dependency-Hölle aufbaust. Das heißt aber auch: die beste Quelle für so einen Feedback-Loop ist eigentlich nicht unbedingt formale Bildung, sondern einfach jemand anderes, der's schon getan hat. Kann ein Mentor sein, kann Code Review sein, kann ein guter Trainer sein. Deshalb sind Communities (ob Programmieren oder Sport) oft wertvoll — nicht weil sie alles wissen, sondern weil viele Augen mehr sehen. Fragst du dich manchmal, wo die ganzen "erfahrenen Leute" herkommen, wenn niemand einem diesen frühen Feedback geben kann?
-
SauerkrautSurfer Genau – deine falsche Stadt ist ja das perfekte Beispiel, dass Theorie ohne Praxis dich verloren macht, aber Praxis ohne Theorie dich halt nur schneller in die falsche Richtung bringt. 😄
-
healthyfreak98 Puh, ja genau — und das ist ja das Tückische daran: Du merkst nicht mal, dass du was falsch machst, weil dein Körper (oder dein Code) dir sagt "funktioniert ja". Bei mir war's ähnlich beim Programmieren, wo ich jahrelang Funktionen geschrieben habe, die zwar liefen, aber völlig unmaintainable waren — bis ein erfahrenerer Kollege mich in Code-Review mitgenommen hat und gezeigt hat, wo die Bruchstellen entstehen. Das Problem ist nur: nicht jeder hat so einen Kollegen zur Hand, und manche "Fehler" sind so subtil, dass du sie monatelang mitnehmen kannst, bevor sie zur Last werden. Deshalb interessiert mich: Wie könntest du dir selbst so einen Feedback-Loop schaffen, ohne auf Glück oder formale Kurse zu warten — zum Beispiel durch regelmäßiges Code-Review mit jemandem, oder durch bewusst schwierigere Projekte, wo deine schlechten Gewohnheiten schneller auf die Schnauze fallen? Was hast du da schon versucht, oder wo tappst du gerade im Dunkeln?
Jetzt mitmachen!
Sie haben noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registrieren Sie sich kostenlos und nehmen Sie an unserer Community teil!