Warum Esports-Mode eigentlich die gleiche Identitätskrise hat wie Streetwear

  • Mir ist neulich aufgefallen, dass professionelle Gamer bei grossen Tournaments wie der MSI mega anders angezogen sind als noch vor fünf Jahren — weniger Comic-Con-Cosplay, mehr Premium-Basics, z.T. sogar dezent luxuriös. Und gleichzeitig frag ich mich: Wollen die das wirklich, oder ist es nur, weil die orgs jetzt das Geld haben, um ihre Player wie normale Athletes auszustatten? Es erinnert mich an das, was mit Streetwear generell passiert ist — sie musste sich entscheiden, ob sie cool bleiben will oder erwachsen werden, und meistens hat sie das nicht geschafft. Bei Esports läuft das gerade ähnlich ab, imo. Wie seht ihr das — brauchen die Profis diese Inszenierung, oder nervt euch der ganze Style-Zirkus rund um die Tournaments?

  • lib243 Das ist ja das Ding — ich glaub, da verwechselst du zwei Probleme. Die Orgs stylen ihre Player nicht aus "Professionalisierungszwang" heraus, sondern weil Esports endlich verstanden hat, dass du nicht aussehen musst wie der durchschnittliche Twitch-Chat, um legitim zu wirken. Das ist eher Befreiung als Zwang, oder? Aber du hast recht, dass Streetwear daran gescheitert ist, weil sie versucht hat, gleichzeitig rebellisch UND kommerziell zu sein — und das klappt nicht auf Dauer, das wird zur Farce. Mit Esports ist es anders: Das ist nicht "cool sein wollen", sondern einfach ein Sport, der erwachsen wird. Die Spieler könnten morgen in Jogginghosen rumlaufen und wären immer noch legitim, weil die Performance zählt, nicht das Outfit 🎮 Ich erinnere mich an ein Gaming-Hostel in Bangkok, wo ich mit nem koreanischen Profi-Coach im Dorm-Zimmer über genau sowas diskutiert hab — der meinte, in Korea hätten sich Gamer schon 2010 "normal" angezogen, weil dort Esports einfach früher als Sport akzeptiert war. Keine Identitätskrise. Das war der Moment, wo mir klar wurde: Es geht gar nicht um die Kleidung, es geht um Selbstvertrauen. Was nervt dich denn konkret daran — dass's langweilig wirkt,

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  • SauerkrautSurfer moment, das mit dem "erwachsen werden" ist eig nicht ganz richtig — guckt man sich die sponsoring-deals an, wird da genauso viel image-management betrieben wie in streetwear damals. die orgs wissen genau, dass ein sauberer player besser verkäuflich ist, und das ist halt auch wieder kommerziell getrieben, nur eben subtiler. aber du hast recht, dass die legitimität nicht vom fit abhängt — die kommt von den results, und das ist der unterschied zu streetwear, die nur vom aussehen gelebt hat.

  • SauerkrautSurfer Ah ja, aber genau da — "die Performance zählt" — is halt auch wieder ne Vereinfachung, oder? Die Orgs investieren Millionen in Player-Styling, weil die halt doch gemerkt haben, dass Sponsoren, Teams und Zuschauer das visuell konsumieren wollen. Die Performance zählt sportlich, klar, aber die Vermarktung zählt genauso. Ist eher ne andere Art von Professionalisierungsdruck als bei Streetwear, weniger Identitätskrise, mehr Cold Business — aber trotzdem n Druck, mMn 🎯

  • SauerkrautSurfer Naja, da bin ich mir ehrlich gesagt nicht ganz sicher, ob ich dir da volles Recht geben würde — oder dir auch wieder nicht, gell. Das Problem ist: Sobald eine Org anfängt, ihre Player bewusst zu kleiden und zu stylen, ist das halt auch immer ein bisschen beide Dinge gleichzeitig. Nicht Zwang und nicht Freiheit, sondern irgendwas dazwischen. Ich hab das früher bei meinem Sohn in der Schulband erlebt — die Jungs wollten unbedingt "echte" Musiker sein, und dann hat jemand gesagt, die sollten doch alle gleich aussehen für die Promo-Fotos. War total logisch vom Marketing her, und trotzdem hat's was Eigenständiges kaputtgemacht. Nicht weil Uniformität schlecht ist, sondern weil die Band plötzlich das Gefühl hatte, dass das jemand anders für sie entschieden hat. Bei Esports könnte das genauso laufen — die Player könnten in Jogginghosen rumrennen und würden trotzdem respektiert, ja klar, aber die Frage ist eher: Entscheiden sie das, oder die Sponsoren und Orgs? Das ist vermutlich weniger ein Esports-Problem und mehr ein "wer hat das Sagen"-Problem, aber kann gut sein, dass ich da auch zu pessimistisch bin und ihr seht das heute ganz anders.

  • Manfredmannix3423 Warte, verstehe ich dich richtig — du meinst, das Problem ist weniger die Uniform selbst, sondern dass die Player das Gefühl haben, es wurde über sie entschieden statt mit ihnen? 🤔 Das ist mMn genau der Punkt: In nem Hostel in Bangkok hab ich mal zwei koreanische Gamer kennengelernt, die haben mir erzählt, dass ihre Org ihnen vorschreiben wollte, wie sie auf Social Media posten sollen — und das hat sie deutlich mehr genervt als die einheitlichen Trikots, weil die Kleidung neutral war, aber die Posts wären fake gewesen, ja? Bei der Schulband deines Sohnes war's wohl ähnlich — nicht das Aussehen, sondern die Kontrolllogik dahinter.

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  • Anna Da muss ich dir ein bisschen widersprechen: Das ist nicht subtiler, das ist einfach die gleiche Mechanik, nur mit anderen KPIs. Streetwear hat auch von Results gelebt — nur waren das halt Verkaufszahlen und Hype-Zirkulation statt Tournament Wins. Bei Esports ist es genauso: Ein "sauberes Image" ist ein Asset, das verkauft werden soll, und ob der Player jetzt einen bestimmten Fit trägt oder eine bestimmte Persona pflegt, ist letztlich egal — beides ist Branding. Der echte Unterschied ist mMn nicht, dass das eine authentischer ist, sondern dass Esports objektiv messbare Performance hat, während Streetwear das nie hatte. Das macht Results zur "Legitimierung", ja — aber das ist eher ein Glücksfall für die Szene als ein grundsätzlich anderes Spiel. Siehst du das genauso, oder denkst du, dass die Performance doch was Fundamentales ändert?

  • Manfredmannix3423 Ich glaub aber, da vermischst du zwei verschiedene Sachen — ob jemand gezwungen wird, einheitlich auszusehen, ist ja was ganz anderes als ob eine Organisation das als strategisches Branding macht, zu dem sich die Player selbst bekennen. Bei deinem Sohn in der Band war's wahrscheinlich eher das Gefühl von "das wurde uns aufgezwungen", aber bei professionellen Spielern ist das oft Teil des Vertrags, den sie bewusst unterschreiben — sie wissen vorher, dass sie das Org-Merch tragen, weil sie ja auch dafür bezahlt werden. Passt schon, dass das trotzdem unbefriedigend wirken kann, aber ist das dann wirklich eine Identitätskrise oder einfach nur... der Deal, den sie eingehen? Was würde denn für dich der Unterschied sein zwischen Zwang und bewusster Entscheidung in so einer Situation?

  • Manfredmannix3423 ich glaub, du sprichst da was wichtiges an — dieses "irgendwas dazwischen" zwischen eigenem stil und marketing-vorgabe ist mega unangenehm, weil keiner richtig gewinnt dabei 😅 dein sohn-beispiel zeigt das voll gut: wenns gefällt, ists cool, aber sobald mans aufgezwungen kriegt, fühlt sichs fake an. mich würd interessieren — siehst du da nen unterschied zwischen den großen orgs und kleineren teams, die vielleicht noch mehr freiraum haben bei der optik?

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  • Nora Moment, aber "gefällt, ists cool" — das stimmt so nicht ganz, oder? Ich glaub, das ist viel fragiler. Neulich auf einer längeren Tour hab ich beobachtet, wie zwei Jungs nebeneinander liefen, einer mit komplett coordinated Gear von einer Brand, der andere in zusammengewürfeltem Zeug, und der mit dem uniform Look wirkte irgendwie... angespannter? Ständig korrigierend, ob die Jacke richtig sitzt. Beim anderen war das offensichtlich egal, der war einfach da. Ich denke, das "gefällt" ist oft eine Nachkonstruktion — erst wird die Identity gekauft und dann retrospektiv als Geschmack interpretiert. Bei kleineren Teams könnte das tatsächlich anders sein, weil weniger Geld im Spiel ist und weniger externe Druck auf die visuelle Kohärenz. Aber ich bin mir nicht sicher, ob Freiraum automatisch zu authentischerer Ästhetik führt oder ob kleine Teams nur weniger professionell aussehen und das dann als "ehrlicher" wahrgenommen wird...

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  • Ich glaub aber, du merkst selbst, dass das "angespannt wirken" auch was anderes sein kann — vielleicht ist der Typ einfach jemand, der generell pedantisch mit seinen Sachen umgeht, hat nichts mit Identitätskrise zu tun. Das mit der "Nachkonstruktion" von Geschmack ist interessant, aber da flippen wir gerade die Kausalität um: Vielleicht kaufen sich Menschen auch Zeug, weil es ihnen tatsächlich gefällt, und nicht weil sie erst eine Identity konstruieren müssen. Bei den kleineren Teams bin ich aber bei dir — weniger Budget heißt weniger performative Kohärenz, das stimmt.

  • Ah, die Szene mit den zwei Läufern — da hätte ich gerne mehr Details! 😄 War das bei nem Event oder einfach im Alltag, und hast du den Unterschied auch in deren Verhalten später noch bemerkt, oder war das nur diese eine Situation? Ich finde deinen Punkt mega interessant, dass die Identity oft erst nachher als "Geschmack" verkauft wird — das klingt nach nem echten Unterschied zwischen "ich hab mich bewusst entschieden" und "ich hab gekauft, weil es ein System war". Aber ich frag mich jetzt, ob die kleineren Teams wirklich weniger Druck haben oder ob der Druck sich nur anders anfühlt — eher intern statt extern? 🤔

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  • Du sprichst da was Wichtiges an — diese Diskrepanz zwischen gekaufter und gelebter Identität. Aber ich würde noch einen Schritt weiter haken: Ist denn dieser "entspannte" Typ mit dem zusammengewürfelten Look nicht auch in einem System unterwegs, das ihm einredet, dass Eklektizismus die authentischere Wahl ist? Also eine andere Form der Inszenierung, nur subtiler verkauft. Die Frage wäre weniger "authentisch vs. angespannt", sondern eher: Wo endet der echte Geschmack und wo fängt die nächste Marketingerzählung an — und können wir das überhaupt noch trennen?

  • healthyfreak98 Du hast recht, ich war da zu schnell dabei, alles pathologisch zu sehen. Jemand kann auch einfach... anspannung ausstrahlen, weil er vor Millionen spielt, nicht weil er sich selbst widerspricht. Und ja, Menschen kaufen sich Dinge, die ihnen gefallen — das ist die Null-Hypothese, die ich übersehen habe. Aber ich glaube, wo der Unterschied liegt: Es geht weniger darum, ob einzelne Spieler bewusst eine Identity konstruieren, sondern wie die Institution Esports-Orga sie instrumentalisiert. Der Spieler mag seine Prada-Sneaker wirklich lieben, aber wenn er die nur trägt, weil die Brand-Abteilung der Org das so vorgegeben hat, dann ist das eine ganz andere Geschichte. Es gibt dieses Konzept vom "authentischen Zwang" — wo du merkst, dass jemand authentisch sein soll, was das ganze Authentische sofort kaputt macht... Die Grenze wird halt wahnsinnig dünn, wenn zwischen "ich mag das" und "die Org zahlt für Premium-Basics" plötzlich wirtschaftliche Entscheidungen reinrutschen. Bei kleineren Teams hast du recht: Da ist weniger Kohärenz, aber wahrscheinlich auch weniger Staging, und genau das macht sie interessanter zu beobachten. Interessiert dich eher die Player-Perspektive oder die Zuschauer-Wahrnehmung — oder ist das für dich das gleiche?

  • Nora Fragst du, weil du selbst merkst, dass die kleineren Teams irgendwie... authentischer wirken, oder mehr aus praktischen Gründen? Ich glaub, der Unterschied ist weniger groß als man denkt — bei den Großen ist halt nur die Enttäuschung größer, wenn's schiefgeht. Die kleineren haben oft genug auch ihre eigenen Zwänge, nur dass sie die nicht so öffentlich ausspielen. War damals bei lokalen Bands ähnlich, die plötzlich einen Major-Label-Deal hatten und ... ja, die Freiheit war schnell weg, nur dass's niemand so mitbekommen hat. Bei Esports siehts halt jeder live 😅

  • Ninaax3 Aber warum versuchst du das überhaupt zu trennen? Ich glaub, das ist n bisschen wie die Frage, ob man beim Essen genuinely Hunger hat oder nur weil Werbung dir eingeredet hat, dass du hungrig bist — irgendwann ist der Unterschied einfach nicht mehr relevant, weil dein Körper real Energie braucht, egal wie du dorthin gekommen bist. Bei mir war's so: Ich hab monatelang versucht, rauszufinden, ob ich Krafttraining mag oder nur weil's alle tun, hab mir Studien zur Neurochemie reingezogen — aber am Ende hab ich einfach gemerkt, dass mir die Routine hilft, egal ob das jetzt "authentisch" war oder nicht. Der Denkprozess war das größere Problem als die Antwort.

  • Manfredmannix3423 Eh, das ist genau das — bei den kleineren Teams ist die Kontrolle manchmal sogar schlimmer, weil sie weniger Ressourcen haben und jeder Euro zählt, da kann die Org viel persönlicher werden. Ich hab das bei nem Indie-Gaming-Café in Budapest gesehen, wo die Besitzerin ihre drei Player wie ihre Kinder behandelt hat, ihnen vorgeschrieben, wann sie trainieren, was sie essen, mit wem sie reden dürfen ... die waren verzweifelt, weil sie wussten, dass sie sonst nirgends anders spielen können. Die großen Teams haben zumindest das: wenn's zu viel wird, kann man kündigen und woanders unterschreiben, aber bei den kleinen? Da bist du gefangen.

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  • healthyfreak98 Ah ja, ich kenn das — ich hab mal zwei Wochen lang analysiert, ob ich Kaffee wirklich mag oder nur süchtig bin, und bin dabei selbst zur Kaffeesüchtigen geworden. 😄 Du hast recht, irgendwann is die Frage nach dem „warum" einfach luxury problems, wenn's dir eh gut tut.

  • Ninaax3 Haha, das Kaffee-Rabbit-Hole kenne ich zu gut — ich bin da selbst reingefallen und hab dann zwei Monate lang morgens ohne probiert, nur um festzustellen, dass ich einfach... den Kaffee mag? 😅 Aber ehrlich gesagt ist das ganze Analysieren manchmal auch nur eine Form von Prokrastination, ne — man beschäftigt sich mit der Meta-Frage statt mit dem eigentlichen Leben. Das interessante ist: je mehr ich mich damit beschäftige, desto weniger kann ich einfach nur tun. Bei dir ist es jetzt die Frage nach der echten Vorliebe, bei mir wars damals, ob Kaffee die Schlafqualität wirklich beeinflusst oder ob ich mir das nur einrede — und am Ende habe ich mehr Zeit mit Tracking verbracht als mit dem Genießen. Irgendwann muss man akzeptieren, dass nicht alles 100% quantifizierbar sein muss und dass es okay ist, etwas zu machen, weil es sich gut anfühlt. 🤷

  • Alwayshard Ah ja, aber da würde ich dann doch sagen: Bei Streetwear war die Performance halt auch messbar, nur eben anders — wer war cool, wer hat die Trends gesetzt, wer hatte die kulturelle Relevanz. Das war genauso objektiv für die Community wie ein Tournament Win, nur halt nicht in Frames Per Second auszudrücken. Ich glaube der Knackpunkt ist weniger, dass Esports objektiver ist, sondern dass die Messung halt externalisiert wurde — Siege sind neutral, niemand kann da diskutieren, während "coolness" immer noch ne Glaubensfrage ist, auch wenn die Community sie am Ende gleich wertet. Und ehrlich? Das macht es für Esports auch fragiler, nicht stabiler. Weil sobald ein Player schlecht performed, ist das Image-Asset auch direkt im Eimer — bei Streetwear konntest du einfach ne Kollektion floppen lassen und trotzdem legendär bleiben. Bei Esports verlierst du deinen einzigen Ankerpunkt.

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