Ich bin gestern um 14 Uhr losgegangen, um rasch nachzulesen, ob Käse wirklich schlecht vor dem Schlafengehen ist — und bin um 23 Uhr aufgewacht, nachdem ich mich durch sieben Wikipedia-Artikel über Verdauungssysteme von Säugetieren gekämpft hab. Irgendwie bin ich dann bei „Warum träumen Kühe" gelandet und das war eh leiwand, aber irgendwie auch deprimierend. Kennt das wer oder bin ich die Einzige, die für eine simple Antwort plötzlich Experten-Level in völlig unverwandten Themen hat?
Hat jemand anders auch das Phänomen, dass Recherchieren im Internet wie ein Kaninchen-Loch ist, aber für ernsthafte Fragen?
-
-
Ninaax3 Naja, das ist weniger ein Internet-Problem als eins mit unserem Gehirn — es will einfach verstehen, nicht nur eine Quick-Answer, und dann nimmt's halt jede Abzweigung mit. Aber: Bei mir ist das deutlich schlimmer geworden, seitdem ich anfing, Studien zu Schlaf und Ernährung zu lesen. Ich wollte nur wissen, ob Käse vor dem Schlafengehen problematisch ist (kurze Antwort: eher nicht, solange die Menge stimmt), bin dann aber — genau wie du — in Verdauungsbiochemie abgerutscht, hab mir Magnesium-Absorptions-Paper angesehen und plötzlich war ich in Diskussionen über Casein-Proteine und Schlafqualität. Das Ding ist: Jedes neue Paper verlinkt drei weitere, die „wichtig" klingen, und irgendwann fragst du dich, ob du überhaupt noch weißt, wonach du gesucht hast. Was mich neugierig macht — verlierst du dann auch den Fokus auf die Original-Frage, oder merkst du irgendwann, dass du komplett abdriftest und versuchst, wieder hochzufahren?
-
Das kenne ich nur zu gut, dieses Gefühl, wenn man bei einer einfachen Frage startet und plötzlich in völlig neuen Kategorien denkt. Bei mir war's ähnlich mit Ernährung — ich wollte nur wissen, ob Kaffee wirklich schlecht für die Konzentration ist, und zwei Stunden später saß ich vor irgendwelchen Cortisol-Studien und fragte mich, warum ich überhaupt noch trinke. Das Problem ist ja, dass jede Antwort im Netz drei neue Fragen aufwirft, und dann ist man gefangen. Mittlerweile versuche ich, mir vorher eine konkrete Grenze zu setzen — also wirklich hinschreiben, was ich wissen will — sonst verliere ich komplett den Fokus. Passiert dir das auch, dass du hinterher gar nicht mehr weißt, was die Original-Frage war?
-
Ninaax3 Mich hat das früher mit den Enzyklopädien genauso erwischt — nur dass ich dann irgendwann um 2 Uhr morgens merkte, dass ich seit drei Stunden nur noch Artikel über Spinnen durchblättere und die ursprüngliche Frage längst vergessen hatte. Das Internet hat das einfach beschleunigt, aber das Phänomen der Ablenkung ist nicht neu, nur dass es jetzt halt viel schneller und tiefer geht.
-
healthyfreak98 Moment, lass mich da was fragen: Wenn du ehrlich bist — nutzt du diese Recherche-Spiralen manchmal auch als eine Art Flucht? Also nicht nur weil dein Gehirn verstehen will, sondern weil es sich gut anfühlt, beschäftigt zu sein und das Gefühl zu haben, du machst gerade etwas Sinnvolles, selbst wenn du nach zwei Stunden gar nicht mehr weißt, warum du angefangen hast? Weil ich glaube, das ist der blinde Fleck bei dem ganzen Thema — wir reden immer davon, dass das Internet ein Kaninchenloch ist, oder dass unser Gehirn einfach so funktioniert, aber ehrlich gesagt? Das ist ein bisschen zu bequem. Die Wahrheit ist vermutlich: Es fühlt sich verdammt gut an, sich verloren in etwas Intellektuellem zu fühlen, statt die schwierigeren Fragen zu stellen — nämlich: Brauch ich diese Information wirklich, oder brauch ich gerade nur was, das mich beschäftigt? Das ist nicht böse gemeint, das mach ich selbst ständig, nur irgendwann merkst du, dass du drei Stunden für eine Antwort recherchierst, die eh nur „kommt drauf an" war. Also: Was wäre, wenn du beim nächsten Mal vor der Recherche aufschreibst, was die konkrete, finale Frage ist, die du beantwortet haben möchtest — und dann nach dieser einen Antwort
-
ah mann, ja — ich kenn das voll 🙃 bei mir war es ewig so: stund um stund pdfs über schlafphasen und melatonin lesen, aber eig war ich nur am vermeiden, dass ich mich mit meinem damaligen job auseinandersetzen musste. die recherche hat sich angefühlt wie arbeit, nur halt ohne die unbequemen entscheidungen treffen zu müssen. erst als ich gemerkt hab, dass ich immer die gleichen studien nochmal las, ist mir der groschen gefallen — das war einfach nur prokrastination im akademischen gewand gell.
-
healthyfreak98 Ah ja, und jetzt die frage die weh tut: wie oft merkst du das eigentlich WÄHREND es passiert, oder erst hinterher, wenn du wieder drei stunden weg sind? Weil das ist glaub ich der knackpunkt — wenn du es live bemerken würdest, würde dein gehirn sofort sagen "ne, lass mich lieber das job-ding angucken", und genau davor schützt dich die recherche ja. Das gute an deiner erkenntnis ist aber: du hast es gemerkt. Viele leute wiederholen die gleichen studien ihr ganzes leben lang und denken, sie wären halt einfach gründliche menschen. Die frage jetzt ist nicht mehr, ob es passiert, sondern: was brauchst du wirklich in den momenten, wenn die recherche-spirale anfängt?
-
Nora Ja, absolut, aber ich glaub bei mir ist es noch schlimmer weil ich dann auch noch anfange, die Quellen zu hinterfragen — ist diese Studie seriös, wer hat sie finanziert, warum widersprechen sich die nächsten drei Papers... und dann bin ich komplett weg vom eigentlichen Thema. Das mit der Grenze vorher hinschreiben ist smart, aber ehrlich gesagt mache ich das selten konsequent. Was bei mir eher funktioniert hat: Ich stelle mir nach fünf bis zehn Minuten die Frage — könnte ich jetzt damit etwas anfangen oder ist das gerade nur Kopfkino? Wenn die Antwort nein ist, pack ich das Tab zu, auch wenn ich noch nicht „fertig recherchiert" bin. Oft merke ich ja eh, dass die weiteren Details ohnehin nicht ändern, was ich konkret machen will. Mit dem Kaffee zum Beispiel — am Ende war mir klar genug: Weniger trinken, später am Tag. Punkt. Mehr Details hätten mir nur mehr Unsicherheit gegeben, nicht mehr Klarheit. Könntest du probieren, dir nach kurzer Zeit ne echte Entscheidungsfrage zu stellen statt immer tiefer zu graben... oder ist das bei dir eher das Problem, dass du gar nicht aufhören kannst, selbst wenn du wolltest?
-
Alwayshard Stimmt, aber: Wenn du das "Job-Ding" eh schon als Belastung wahrnimmst, warum suchst du dir dann unbewusst ausgerechnet die Recherche als Fluchtweg — und nicht etwas, das dir wirklich hilft? 🤔 Mich interessiert, ob du merkst, dass es Prokrastination ist, oder ob es sich dabei anfühlt wie echte Produktivität, eh?
Jetzt mitmachen!
Sie haben noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registrieren Sie sich kostenlos und nehmen Sie an unserer Community teil!