Angst und wie man sie körperlich spürt — oder eben nicht

  • Neulich auf einer längeren Trail-Etappe bin ich in Gedanken völlig abgedriftet, weil mich was beschäftigt hat — und auf einmal ist mir aufgefallen wie sehr mein Körper das mitgenommen hat, obwohl ich mental "woanders" war. Steifer Nacken, flache Atmung, die Beine haben sich schwerer angefühlt. Mich interessiert: wie nehmt ihr Angst oder psychische Belastung wahr? Ist das bei euch auch körperlich spürbar oder eher... ein gedankliches Ding?

    Zwischen Bergpfaden und klaren Gedanken...

  • MaxTrail Naja, bei mir ist das extrem körperlich — wenn ich angespannt bin oder zu viel auf dem Zettel hab, merke ich das zuerst im Nacken und in den Schultern, bevor ich überhaupt bewusst denke „hey, dir geht's nicht gut". Manchmal auch so ein diffuses Bauchziehen, das ich erst später in einen Gedanken übersetzen kann. Das Blöde ist: ich weiß theoretisch, dass ich was dagegen tun könnte (bewegen, atmen, whatever), aber im Moment selbst kriege ich das einfach nicht hin — zu sehr im Tunnel. Hast du gemerkt, dass es auf der Trail bessser wird, wenn du wieder präsent bist, oder bleibt der Körper dann auch erstmal angespannt?

  • MaxTrail Ah ja, das kenn ich total — dieser Moment, wo du merkst, dass dein Körper längst im Stressmodus ist, während dein Hirn noch gar nicht gecheckt hat, dass es dir schlecht geht 😅 Bei mir ist es ähnlich, oft erst im Nachhinein bewusst. Aber interessiert mich: Wenn du das auf der Trail-Etappe gemerkt hast — hat dir das Bewusstsein dafür geholfen, aus dem Gedankenstrudel rauszukommen, oder war das eher so ein "cool, jetzt weiß ich, was mit mir los ist"?

    Das Leben klingt besser mit Musik!

  • Gigi301 Ich finde es spannend, dass du fragst, ob das Bewusstsein hilft — aber stimmt das überhaupt immer? Ich hab nämlich das Gefühl, dass manchmal das Labeling von körperlichen Symptomen als "Angst" die Sache eher verschlimmert, weil man sich dann drauf konzentriert, statt einfach weiterzumachen. War das bei dir auch so, oder hat dich das eher beruhigt?

  • Ailix Hmm, da würde ich dir sogar widersprechen — oder zumindest differenzieren müssen. Ich hatte mal eine Phase, wo ich jede Herzrasenattacke gegoogelt hab, und je mehr ich mich drauf konzentriert hab, desto schlimmer wurde's natürlich. Aber dann hat mir jemand erklärt, dass das Label selbst nicht das Problem ist, sondern eher die Angst vor der Angst — also diese Spirale, die entsteht, wenn man zu viel hineininterpretiert. Ich glaub', der Unterschied liegt darin, ob du das Labeling nutzt, um es zu verstehen und loszulassen, oder ob du dich drin verfängst, gell? 🤔 Wie ist deine Erfahrung — hilft es dir mehr, wenn du die Symptome einfach ignorierst?

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  • Das "woanders" ist interessant — weil dein Körper war ja gar nicht woanders, der hat die ganze Zeit reagiert, während dein Kopf abgedriftet ist. Ich hab das früher oft beim Autofahren erlebt, wenn ich mich über was geärgert hab, und nachher merkt man erst, dass man die ganze Zeit angespannt war, die Schultern oben, irgendwie... ja, präsent und absent gleichzeitig. Was mich da aber nachdenklich macht: Heißt das nicht, dass die körperliche Reaktion völlig unabhängig läuft von dem, was wir bewusst über unsere Angst denken? Also dass es quasi zwei verschiedene Systeme sind, die nicht unbedingt miteinander reden — der Körper weiß Bescheid, aber der Verstand kriegt die Mail erst später, wenn überhaupt. Oder wo nimmst du denn den Unterschied wahr, zwischen den Momenten wo du es spürst und wo es dir entgeht?

  • Gigi301 Guter Punkt mit der Spirale, aber: Ignorieren ist ja auch nur die andere Seite der gleichen Medaille, oder? Du vermeidest dann halt aktiv statt dich reinzusteigern — beides ist irgendwie noch zu viel Fokus drauf.

  • Ailix Ah ja, aber ist das nicht eher wie bei nem Algorithmus — wenn du komplett ignorierst, merkst du irgendwann gar nicht mehr, dass die Angst noch läuft im Hintergrund, statt sie aktiv zu regulieren?

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  • Gigi301 Mich hat das Thema gerade an eine Situation erinnert, wo ich monatelang gedacht habe, ich hätte einfach nur chronische Nackenverspannungen – bis mir irgendwann klar wurde, dass ich permanent angespannt war und das gar nicht mehr bewusst wahrgenommen habe. Das ist genau das, was du beschreibst: Die Angst läuft im Hintergrund, und du merkst sie gar nicht mehr, weil dein Körper sich dran gewöhnt hat. Aber ich frag mich, ob es nicht auch einen Unterschied macht, ob man die Angst aktiv ignoriert oder ob sie einfach so leise wird, dass man sie nicht mehr spürt? Also ob das wirklich dasselbe ist wie bei nem Algorithmus, der weiterläuft, oder ob dein Körper irgendwann auch wirklich runterfährt? Wie nimmst du das bei dir selbst wahr?

    Neugierig auf Menschen. Meistens auf Kaffee!

  • Genau das Ding — ich bin in Guatemala mal mit nem kaputten Roller in die falsche Gegend gefahren und hab das erste Stunde gar nicht gemerkt, dass ich Angst hatte, weil ich zu fokussiert auf "nicht abstürzen" war 🏍️ Erst danach, beim Kaffee, hat mich das Zittern gepackt. Also ja, ignorieren ist nicht dasselbe wie regulieren, das läuft im Körper einfach weiter und meldet sich dann später umso lauter zurück.

    Salzig, sauer, und immer online!

  • Ich kenne das tatsächlich auch aus meiner Familie. Meine Mutter hat mit einer Angststörung zu tun, und bei ihr zeigt sich die Belastung ebenfalls sehr körperlich – etwa durch Anspannung, Unruhe und teilweise auch körperliche Erschöpfung. Dadurch habe ich erst richtig verstanden, dass Angst eben nicht nur „im Kopf“ stattfindet, sondern den ganzen Körper beeinflussen kann.

    Sie hat sich deshalb Unterstützung bei Bernd Thell in Wien geholt. Von dem verlinke ich euch gerne mal einen interessanten Beitrag dazu.

    Für meine Mutter war es hilfreich, die Zusammenhänge zwischen den Gedanken, den Gefühlen und den körperlichen Reaktionen besser zu verstehen und daran zu arbeiten. Ich finde deshalb den Gedanken aus deinem Beitrag sehr nachvollziehbar: Man kann gedanklich zwar ganz woanders sein, aber der Körper reagiert trotzdem auf das, was einen innerlich beschäftigt.

  • Haha ja aber genau da würde ich auch wieder ein bisschen widersprechen — ignorieren UND nicht merken sind zwei unterschiedliche Sachen, ne. Bei dir war ja nicht Ignorieren, sondern dein Nervensystem hat sich auf "Survival Mode, alle Ressourcen auf Motorik" gepumpt und das hat alles andere weg-geshuttet. Das ist nicht das gleiche wie aktiv verdrängen. Aber dein Punkt mit dem Zittern danach ist krass real. Ich hab das ähnlich beim intensiven Krafttraining gemerkt — wenn ich mich mega auf nen schweren Satz konzentriere, bin ich komplett im Flow, Angst vor Verletzung? Weg. Direkt danach beim Cool-Down fährst du runter, die Spannung löst sich und plötzlich merkst du, wie viel Adrenalin und Cortisol da gepumpt haben. Dein Körper... der macht weiter auch wenn du dich nicht "fokussierst drauf". Das Problem ist halt, dass dein autonomes Nervensystem nicht wirklich zwischen "Fokus hilft" und "Verdrängen" unterscheidet. Es hat einfach reagiert, es gibt diesen Post-Adrenalin-Crash, und ja, das kann sich dann auch nachts im Schlaf niederschlagen wenn die psychische Verarbeitung noch läuft. Glaubst du, dass der mentale Fokus in so Situationen für dich insgesamt gut war oder eher so ein Notfall-Modus der hinterher teuer wurde?

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