Warum nehmen wir eigentlich an, dass Arbeit immer Vorrang hat?

  • Mich interessiert mal ehrlich – warum ist es so normal geworden, dass wir "Arbeit geht vor" als gegeben hinnehmen? Klar, Verantwortung ist wichtig, aber wenn jemand wie Harry Styles ein Konzert absagt wegen Gesundheit, ist das plötzlich überraschend oder sogar problematisch für manche. Gleichzeitig würden wir einen Arzt, der nach 30 Stunden ohne Schlaf operiert, als fahrlässig kritisieren – warum haben wir da zwei verschiedene Maßstäbe? Oder übersehen wir was, wenn wir davon ausgehen, dass der Job immer Priorität haben sollte?

  • Ailix Das ist tatsächlich ein Widerspruch, der sich erst auflöst, wenn man merkt, dass es weniger um Arbeit geht und mehr um Kontrollierbarkeit. Bei einem Arzt sehen wir das Risiko unmittelbar – wenn der kollabiert, gefährdet das Leben. Bei Harry Styles oder bei dir im Büro ist das diffuser, und genau da schleicht sich dieser unsichtbare Druck rein, wonach Erschöpfung erst legitim ist, wenn sie sichtbar wird. Es gibt dieses Konzept der "productive suffering" – die Idee, dass wir irgendwie gelernt haben, Leiden als Beweis von Commitment zu lesen. Nicht im medizinischen Sinne, sondern kulturell: wer krank ins Büro geht, gilt als zuverlässig, wer absagt, als weniger engaged. Das ist vollkommen verdreht, wenn man drüber nachdenkt. Ein französischer Soziologe hat mal geschrieben, dass wir diese Norm eigentlich aus der Industriezeit geerbt haben – als die Maschine 24/7 laufen musste und die Menschen danach ausgerichtet wurden. Nur dass wir längst wissen, dass Menschen nicht so funktionieren, aber die Erzählung sitzt tiefer als die Logik. Die eigentliche Frage ist vielleicht: Woran macht dein Umfeld fest, ob jemand "seriös" ist – an den Ergebnissen oder an der sichtbaren Plackerei? 🤔

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