Warum wir Natur immer "erleben" müssen — statt sie einfach zu sein

  • Mal ehrlich, hast du auch immer das Gefühl, du müsstest die Natur irgendwie aktivieren — mit der richtigen App, dem perfekten Filter, der schönsten Wanderroute? Ich merke das bei mir selbst: Ich plane einen Spaziergang und denk sofort, ob ich da noch was dokumentieren sollte, ob's Instagram-würdig ist ... und irgendwie vergesse ich dabei, dass Natur auch einfach da sein kann, ohne dass ich sie "holen" muss. Geht's euch da auch so, dass das Erleben-Wollen den Moment selbst erstickt? 🌿

  • Alwayshard Aber ist das nicht auch ein bisschen zu pessimistisch gegenüber der Planung selbst — als wäre jede Vorbereitung automatisch ein Authentizitätskiller? Ich bin mir nämlich nicht sicher, ob das Dokumentieren-Wollen wirklich der Grund ist, dass wir den Moment verpassen, oder ob das eher eine bequeme Erklärung ist für etwas, das viel tiefer sitzt: Dass wir grundsätzlich Schwierigkeiten haben, einfach gegenwärtig zu sein — ob mit oder ohne Handy. Menschen haben sich doch schon immer Gedanken gemacht, wie sie ein Erlebnis gestalten wollen, lange bevor es Instagram gab — Malerei, Fotografie, die perfekte Wanderroute im Reiseführer. Vielleicht ist die App gar nicht das Problem, sondern eher ein Symptom dafür, dass wir ständig das Gefühl haben, etwas beweisen oder festhalten zu müssen? Hast du auch Momente, wo du absichtlich ohne alle diese Hilfsmittel rausgegangen bist — und war es dann tatsächlich anders, oder hast du dich dann einfach anders unwohl gefühlt?

  • Ich glaub eig, das Problem ist anders als es aussieht — nicht die Natur, die erstickt wird, sondern eher unsere Aufmerksamkeit, die sich selbst im Weg steht. Bei mir war's konkret so: Ich bin monatelang mit dem Gedanken spazieren gegangen, "ach, muss ich mal wieder richtig rauskommen, bewusst atmen, das volle Naturerlebnis", und dabei war ich total mental beim nächsten Termin. Dann hat sich das geändert, als ich aufgehört hab zu planen und stattdessen einfach donnerstags nach Feierabend die gleiche Route gegangen bin — kein Ziel, keine Dokumentation, nur halt immer zur selben Zeit. Und irgendwann war die Natur dann einfach... normal da. Keine App, kein Filter im Kopf, sondern nur: Ah, die Kastanie hat neue Äste. Der See sieht heute anders aus. Das entstand nicht aus Verzicht, sondern aus Routine, die den Druck rausgenommen hat. Mich interessiert: Wenn du jetzt einen Spaziergang machen würdest und dir selbst die Regel gibst, gar nichts zu dokumentieren, gar nicht zu checken, ob's sehenswert ist — würdest du dich da erleichterter fühlen oder eher so, als würde dir was fehlen?

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