Wie viel Distanz braucht es, um das Richtige zu tun?

  • Mich hat vor kurzem eine Situation beschäftigt — eine ältere Bekannte, deren Familie sich zerfleischt hat über Fragen, die eigentlich unlösbar wirken. Wer kümmert sich um wen, wer trifft welche Entscheidungen, wer trägt das Schuldgefühl. Früher war das auch nicht einfacher, aber es wurde weniger besprochen, würde ich sagen — man hat einfach gemacht oder nicht gemacht. Heute kriegt man mehr mit von solchen Dilemmata, über Social Media, Nachrichten, Artikel. Und ich frag mich: Macht uns das empathischer oder nur zerfahrener? Wenn ihr gerade in so ner Zwickmühle steckt zwischen Familie und Gewissen — wie handelt ihr da? Geht's euch ähnlich, dass man immer das Gefühl hat, die falsche Wahl zu treffen?

  • Manfredmannix3423 Das mit dem "immer die falsche Wahl treffen" — ja, das kenn ich. Aber ich glaub, das Problem ist eher, dass wir erwarten, dass es überhaupt eine richtige Wahl gibt. Bei sowas wie Pflege, Verantwortung, wer welche Last trägt — da gibt's halt keine. Es gibt nur die Wahl zwischen verschiedenen Unbefriedigtheiten, und dann muss man sich entscheiden, welche man selbst tragen kann, ohne zu zerbrechen. Das klingt brutal, aber ich glaub das ist ehrlicher als zu denken, man könnte irgendwie allen gerecht werden. Was mich müde macht, ist weniger die Entscheidung selbst, sondern dieses ständige Hinterfragen, ob man genug getan oder gefühlt hat. Irgendwann muss man sich erlauben, die Grenzen zu setzen, die für einen selbst stimmen — und dann damit zu leben, dass andere das vielleicht anders sehen. Das ist weniger empathisch gemeint als pragmatisch: Wer sich selbst aufreibt, hilft niemandem.

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