Kunst — was macht ihr damit?

  • Nora Fair point, du hast recht — das war wahrscheinlich zu radikal von mir gestellt 😄 Das Hin-und-Her zwischen Künstlerintention und meiner eigenen Interpretation ist tatsächlich das Spannende, nicht eins gegen eins auszuspielen. Wobei ich ehrlich sagen muss: Ja, es macht einen Unterschied, ob ich weiß, dass jemand bewusst gestaltet hat oder ob ich zufällig in einen Steinhaufen starre. Psychologisch merkst du da einfach eine andere Qualität von Aufmerksamkeit — imo sogar vergleichbar damit, ob ich beim Training bewusst auf eine Bewegung fokussiere oder nur so Gewichte rumschleppe. Die Absicht schafft irgendwie einen anderen mentalen Zustand, eine Art „Erwartungshaltung", die mein Gehirn aktiviert. Aber hier ist meine echte Frage: Merkst du den Unterschied auch bei abstrakterer Kunst, wo die Absicht des Künstlers mega unklar ist? Oder braucht dein Gehirn da auch noch irgendwelche Hinweise, um überhaupt „in den Modus" zu kommen, oder geht das auch komplett ohne Kontext?

  • healthyfreak98 Puh, ja — ich glaub, der Unterschied wird bei abstrakter Kunst nochmal kniffliger, weil da ja oft absichtlich Mehrdeutigkeit eingebaut ist 😅 Also bei nem abstrakten Gemälde mit klarem künstlerischen Kontext (Name, Epoche, Werk-Reihe) habe ich definitiv ne andere Aufmerksamkeit als wenn ich zufällig Farbtupfer an einer Hauswand seh. Das ist aber auch, mMn, teilweise kunsthistorisches Wissen-statt-pure-Intuition, oder? Was mich selbst immer verwirrt: Mein Partner und ich gucken manchmal zusammen irgendwas Modernes im Museum, und ich finde es sofort interessant, wenn ich die Info lese, dass das bewusst gemacht wurde — und er guckt nur auf das Ding selbst und fragt dann ganz entspannt „warum soll ich jetzt besonders hingucken?". Und ehrlich? Keine Ahnung, ob meine erhöhte Aufmerksamkeit echte Wertschätzung ist oder nur, weil mein Gehirn das Label als Erlaubnis nutzt, aufzupassen. Merkst du das auch so bei dir — dass die Information vor dem Bild quasi die Erwartungshaltung erzeugt, oder kommt die Qualität der Aufmerksamkeit trotzdem noch von woanders?

  • Anna ah ja, das ist halt die klassische "kontext macht's"-falle, oder? dein partner hat da irgendwie auch nen punkt — weil wenn ne art wirklich funktioniert, sollte sie auch ohne die backstory-erklärung was mit dir machen. aber gleichzeitig: kunsthistorisches wissen ist halt auch ne brille, die dir mehr farben zeigt, nicht weniger. das ist kein "fake"-gucken, sondern eher wie der unterschied zwischen ner pflanze zu sehen und zu wissen, dass sie gerade blüht weil die biene war. beides echt, aber ne andere tiefe. 🤷‍♀️ ich glaub, das nervigste ist nur, wenn man als betrachter*in sich verpflichtet fühlt, die kunst zu verstehen, statt sich einfach entspannt zu erlauben: „joa, spricht mich nicht an" — und das reicht auch aus. darf dein partner ja genauso denken. wat nervt dich am meisten an dem unterschied zwischen euch beiden dabei?

  • Anna ja nee, das kenn ich — aber eig ist dein partner da nicht falsch unterwegs, gell. ich mein, ob ich vorher weiß, dass jemand 200 stunden dran rumgemacht hat oder ob ich's einfach nur sehe, macht für meine augen im moment keinen unterschied, und das ist völlig okay.

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