Warum ignoriert die Sportmedizin das Thema Körperbildzwang so sehr? 🤔

  • Also, mich beschäftigt seit kurzem eine Frage, die mir beim Scrollen durch Fashion- und Fitness-Content nicht mehr aus dem Kopf geht: Wir wissen biologisch längst, dass extreme Körpermodifikationen (extreme Defizite, Dehydration vor Events, etc.) massive Auswirkungen auf Hormonhaushalt und Immunsystem haben – warum wird das in der klassischen Sportmedizin aber immer noch so niedrig priorisiert? MMn liegt das Problem darin, dass wir Körperdysphorie und Leistungserwartung noch immer als zwei separate Probleme behandeln, obwohl sie längst eine Einheit bilden. Hab letztens mit einem Physiotherapeuten drüber geredet, der meinte, dass 80 % seiner Athleten mit psychosomatischen Verletzungen kämpfen, die aber nie diagnostiziert werden – weil keiner fragt. 🏥 Habt ihr schon ähnliche Erfahrungen gemacht, bzw. kennt ihr seriöse Studien dazu, die über die übliche "Eat Clean, Train Mean"-Rhetorik hinausgehen? Passt schon, wenn das Thema zu nischig ist, aber mich würd's leiwand interessieren.

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  • Moment – wenn 80 % seiner Athleten psychosomatische Verletzungen haben, aber keiner fragt: Heißt das nicht eher, dass die Sportmedizin das Thema erkennt, aber aktiv ignoriert, weil es unbequem ist? Oder fehlen denen schlicht die Tools und die Zeit dafür?

  • Gigi301 Du sprichst da einen wunden Punkt an, der mir selbst erst bewusst wurde, als eine gute Freundin von mir anfing, kompetitiv zu trainieren und plötzlich völlig andere Prioritäten hatte als vorher – nicht aus echtem Interesse am Sport, sondern aus dieser diffusen Angst heraus, nicht „genug" zu sein. Was du über die fehlende Diagnose sagst, trifft meines Erachtens den Kern: Es gibt diese merkwürdige Grenze zwischen „medizinischem Problem" und „psychologischem Problem", obwohl der Körper ja gar nicht zwischen diesen Kategorien unterscheidet. Der Physiotherapeut, mit dem du sprichst, hat völlig recht – wenn 80 Prozent psychosomatische Verletzungen haben, ist das nicht mehr eine Ausnahme, sondern das Normale, das einfach nicht benannt wird. Was mich frustriert, ist dass die Sportmedizin oft noch immer von diesem Ideal des „no pain, no gain" getrieben wird, statt sich zu fragen, welcher psychische Druck dahinter steckt. Du hast recht, dass Körperdysphorie und Leistungserwartung eine Einheit bilden – sie sind untrennbar. Wie hat der Physiotherapeut denn reagiert, als du das Thema angesprochen hast – hat er versucht, damit anders umzugehen, oder blieb es beim Feststellen des Problems?

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  • Ailix Stell dir vor, ein Orthopäde sitzt in der Ordination und sieht einen Tennisspieler mit chronischen Schulterschmerzen – und weiß genau, dass die Hälfte davon im Kopf sitzt, aber die Überweisungsformulare zum Psychologen sind so unbequem wie ein Laufschuh ohne Einlegesohle. Da geht's weniger um böse Absicht als um: Die Strukturen sind einfach nicht dafür gemacht, und Weiterbildungen in sportpsychosomatischen Themen? Eh nicht gerade Mainstream in der medizinischen Ausbildung.

  • Gigi301 Ja, das erkenn ich wieder — in den 90ern war das genauso, nur dass damals keiner drüber geredet hat; der Sportmediziner hat dir die Schulter tapen lassen und fertig. MMn ist das Problem weniger die Ignoranz, sondern eher, dass die psychosomatische Seite halt schwieriger zu messen und zu "verkaufen" ist als eine MRT-Aufnahme, gell.

  • Manfredmannix3423 ja stimmt, eig noch schlimmer — weil dann alle so tun, als wär es gelöst, wenn die schulter wieder tapbar ist. hab das bei mir selbst gemerkt, als ich ne zeit lang zu verbissen beim training war und meine physio mir buchstäblich sagen musste, dass das problem nicht die schulter ist, sondern dass ich nachts nicht richtig pennen konnte weil ich ständig im kopf trainiert hab, und das hat dann auf den körper abgefärbt. das war n moment wo ich gemerkt hab, dass die schulter nur symptom war. aber ehrlich, wenn ich meinem orthopäden da erzählt hätte, hätte der mich wahrscheinlich nur komisch angeschaut — der braucht ja was zum greifen, ne diagnose.

  • Manfredmannix3423 Da stimme ich dir zu, aber ich würde das noch ein bisschen weiter denken: Wenn die psychosomatische Seite schwerer zu messen ist, heißt das ja auch, dass sie in der medizinischen Ausbildung systematisch untergewichtet wird — Stichwort Evidence-based Medicine, die halt primär auf objektive Metriken fixiert ist. Aber bedeutet das nicht auch, dass wir als Gesellschaft gerade einen großen Fehler machen, indem wir das Problem quasi strukturell ignorieren? Wie könnten denn deiner Meinung nach realistische Lösungsansätze aussehen, wenn die finanzielle und akademische Anreizstruktur so schief liegt?

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  • Gigi301 Naja, ich würde da eher sagen: es wird nicht ignoriert, sondern es ist halt verdammt schwer greifbar zu machen — was nicht dasselbe ist. Ich hab das früher in meinem Job ähnlich erlebt, als wir versucht haben, psychische Belastung in der Fertigung messbar zu machen; am Ende hattest du Zahlen, aber keiner wusste so richtig, was er damit anfangen sollte. Mit der Sportmedizin ist's ähnlich — es gibt ja durchaus Leute, die sich damit beschäftigen, aber die sitzen nicht in den Förderstrukturen, die das große Geld verteilen. Realistische Lösungen? Ehrlich gesagt, da bin ich skeptisch, dass man das nur über mehr Forschungsgelder löst — das ist natürlich nötig, mMn aber eher ein Symptom als die Ursache. Interessanter finde ich, wenn einzelne Sportmediziner oder Psychologen in Kliniken anfangen, anders zu arbeiten, und zeigen, dass es Sinn macht; das hat damals bei vielen kleineren Veränderungen mehr gebracht als große Konzepte. Ob das ausreicht gegen die ganzen Strukturen? Keine Ahnung, aber kann gut sein, dass ihr da von einer anderen Seite anpacken müsst als ich mir das vorstelle. 🤷

  • Manfredmannix3423 ja, das ist echt ne gute beobachtung. ich glaub aber auch, dass viele sportmediziner gar nicht das werkzeug haben, um die psychische komponente einzuschätzen — die sind halt trainiert, strukturen zu sehen und zu reparieren, nicht psychologische muster zu erkennen. das ist ja nicht mal böse gemeint, das ist einfach ne spezialisierungsfalle 🤔 mich irritiert eher, dass selbst wenn jemand flagrant übertrainiert oder mit ner disordered-eating-spirale unterwegs ist, wird da oft einfach weitergemacht, solange die zahlen (gewicht, kraftwerte, etc) stimmen. als wäre der körper ne maschine, die nur input/output ist. hast du das so erlebt, dass dein sportmediziner da aktiv drauf angesprochen hat, oder war das eher eine leerstelle im gespräch?

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  • ich glaub, du bist da mitten im gedanken abgebrochen — was wolltest du noch sagen, wo du einzelne psychologen in kliniken siehst? oder hast du grad selbst gemerkt, dass das auch wieder eher theorie ist statt was, das wirklich läuft?

  • SauerkrautSurfer Ja, genau das — die Spezialisierungsfalle ist real. Ich hatte mal einen Physiotherapeuten, der mir akribisch jeden Muskel gemessen hat, aber null gefragt, warum ich ständig verletzt war, obwohl ich trainiertemäßig nie wirklich runtergefahren bin. Das war wie mit einem Auto in die Werkstatt gehen und der Mechaniker repariert dir jede Woche was anderes, statt zu fragen, ob du vielleicht einfach zu schnell fährst. Die psychische Komponente ist für viele Sportmediziner kein blindes Fleckchen, sondern ein anderes Fachgebiet — und genau da liegt das Problem: Wenn keiner zuständig fühlt, schaut auch keiner hin.

  • Gigi301 Joa, ich merk das auch bei mir selbst — wenn ich zum Physio geh mit irgendwas, das nicht auf'm MRT sichtbar is, dauerts ewig bis wer mich ernst nimmt. Aber ehrlich gsagt glaub ich, du überschätzst da ein bisschen, wie sehr das bewusst ignoriert wird versus wie sehr das einfach... kompliziert is zu messen. Evidence-based Medicine is ja nicht böse, sondern pragmatisch — und ja, das hat Schlagseiten, aber das Problem is eh, dass psychosomatische Sachen echt schwer verlässlich zu erfassen sind, und das is kein Verschwörungding. Was mich neugierig macht: Wenn man jetzt realistisch denkt — ist die Lösung wirklich, dass die ganze Sportmedizin sich umorientiert, oder geht's dir eher drum, dass Sportler*innen besseren Zugang zu Psycholog*innen und Ernährungswissenschaftler*innen brauchen, die parallel arbeiten? Weil das erste is strukturell eher unrealistisch, das zweite eher ein Ressourcenproblem. 🤷‍♀️

  • Also, da sprichst du einen fairen Punkt an — die Messproblem-Sache versteh ich. 🤔 Aber mich würde interessieren: Siehst du das eher als Ressourcen-Problem (zu wenig Zeit/Geld für multidisziplinäre Teams) oder als echtes Blindspot im Ausbildungslehrplan von Sportmedizinern? Weil das würde ja unterschiedliche Lösungen brauchen.

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  • Ninaax3 Aber stimmt das wirklich, dass die Strukturen das Hauptproblem sind – oder interessiert sich die Orthopädie einfach weniger dafür, weil es schwerer messbar ist als ne MRT-Aufnahme? 🤔

  • Alwayshard Naja, aber andererseits: wer will sich denn schon von seinem Physio predigen lassen, dass er zu viel trainiert? 🙈 Ich erinnere mich an eine WG in Buenos Aires, wo ein Typ war – Kraftsportler, immer verletzt, immer trainierend – und irgendwann hat ihn die Mitbewohnerin gefragt, ob er überhaupt gerne trainiert oder nur Angst vor dem Aufhören hat. Das hat ihn so getroffen, dass er vier Wochen später tatsächlich therapiert hat. Aber sein Trainer vorher? Der hat Millimeter-Messungen gemacht, neue Programme geschrieben, aber nie diese Frage gestellt. Und ich glaub, das liegt weniger daran, dass Sportmediziner desinteressiert sind – sondern eher daran, dass es unsexy ist, jemandem zu sagen „vielleicht trainierst du aus den falschen Gründen". Das ist unbequem, das macht keinen Umsatz, da kommt man in Gewissensbereiche, wo man plötzlich Psychologe sein müsste. Und ehrlich: wie sollen Ärzte das auch wissen, wenn die ganze Kultur drum herum – Influencer, Magazine, Fitnessstudios – dir täglich einflüstert, dass mehr, schneller, größer das Erfolgs-Rezept ist? 💪 Meine echte Frage wär: wie würde man das strukturell ändern, dass es normal wird, beim Sportphysio auch über Motivation und Verhältnis zum

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  • Anna Naja, aber "schwer zu messen" ist auch ne Art, ein Problem kleiner zu machen, als es is. Ich bin neulich mit nem Kumpel eine längere Tour gelaufen — der Typ trainiert wie wahnsinnig, immer auf Gewicht, Kalorien, Performance-Metriken — und irgendwann hat er mir gesagt, dass er beim Laufen gar nicht mehr merkt, ob sein Körper sich gut anfühlt oder kaputt ist, weil die mentale Checkliste so laut ist. Das ist ja genau das: Die Sportmedizin behandelt den Körper oft wie ein Messinstrument (Werte, Tests, Bilder), aber das psychosomatische Zeug zeigt sich im Alltag — in Verletzungsmustern, die immer wiederkommen, in Übertraining, das man nicht erkennt, weil die Blutmarker noch okay sind. Die Evidence-based Medicine ist nicht böse, du hast recht, aber sie ist eben auch blind für vieles, das echt relevant is. Ich frag mich: Geht es dir konkret um bessere Vernetzung zwischen Sportmedizin und Psychologie, oder nervt dich eher, dass Sportler*innen lernen sollten, ihren Körper wieder "zu lesen" statt nur die Zahlen zu vertrauen?

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  • MaxTrail Ja, genau — dein Kumpel, der die mentale Checkliste nicht mehr ausschalten kann, das ist krass. Aber heißt das nicht auch, dass die Sportmedizin gar nicht das Hauptproblem ist, sondern eher die Athleten selbst (oder ihr Umfeld) sich selbst so unter Druck setzen, dass sie ihre eigenen Signale nicht mehr hören...?

  • SauerkrautSurfer Also, ich glaub du sprichst da was an, das ich selbst lange nicht sehen wollte. Bei mir war es ähnlich — ich hab jahrelang gedacht, dass mehr Tracking, mehr Optimierung, mehr Kontrolle über meinen Körper mich besser macht, und dann hab ich irgendwann gemerkt, dass ich auch nachts wach lag und mentale Checklisten gemacht hab, ob ich genug Magnesium hatte oder ob meine Schlafhygiene "perfekt" war. Das ist dann auch nicht mehr Recovery, sondern Stress. Und ja, ich bin jetzt immer noch ein Freak mit meinen Routinen, aber ich hab gelernt, dass der echte Punkt nicht ist, ob ich trainiere oder nicht — sondern warum ich es tue und ob ich das noch genießen kann oder ob es zur Pflicht wurde. Das Problem ist wahrscheinlich genau das, was du sagst: Es ist für niemanden lukrativ, das zu thematisieren. Der Physio kann dir ja nicht sagen "hör auf, weil psychisch was nicht stimmt", weil er dich dann verliert und sein Geschäftsmodell lebt davon, dass du immer wieder kommst und neue Probleme hast. Der Trainer auch nicht. Und der Arzt greift zu schnell zur Diagnose statt zur unbequemen Frage. Mich würde interessieren: Hast du selbst erlebt, dass jemand aus diesem Zwang rausgekommen ist — und wenn ja, hat das eine konkrete Person oder eine konkrete Situation ausgelöst, oder war es eher ein langsamer Proz

  • Ailix „Schwerer messbar" – ja, das ist das Kernproblem, würde ich sagen. Eine Fraktur sieht man im Bild, aber der psychische Druck, den jemand empfindet, wenn die Ärztin beiläufig "Ja, für Ihre Sportart könnten Sie noch etwas muskulöser sein" sagt, das lässt sich halt nicht in Graustufen abbilden. Und ehrlich gesagt glaube ich, dass viele Orthopäden nie gelernt haben, danach zu fragen – weil es in der Ausbildung einfach nicht vorkommt... oder weil die Sprechstunde in 15 Minuten rum sein muss und eine echte Anamnese zum Körperbild eben länger dauert als die Standardfragen durchzurattern. Es ist einfacher, den Menschen als Maschine zu denken, die man repariert wie eine kaputte Schraube.

  • Ailix naja, aber das ist eig. zu einfach aufgeteilt — der sportmediziner sitzt ja mittendrin in diesem umfeld und verstärkt es unbewusst mit, wenn er nur auf die messbaren sachen guckt. ich hab das damals in der fertigung auch gesehen: wenn du als vorgesetzter nur leistungskennzahlen im blick hast, dann sagen die leute irgendwann nicht mehr, dass ihnen schlecht geht, weil das ja nicht in dein raster passt. beim sport ist das ähnlich — wenn der doc nur fragt "wie schmerzt's beim training", nicht "wie geht's dir mental dabei", dann lernt der athlet unbewusst, dass der psychologische stuff einfach nicht relevant ist. das "unter druck setzen" passiert nicht im vakuum, sondern wird von außen permanent bestätigt oder ignoriert.

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