Warum diskutieren wir immer über alles außer über das, das wirklich nervt?

  • Klar, Politik soll wichtig sein und so – aber hat je mal jemand darüber geredet, dass Politiker:innen in Talkshows immer die gleiche Frage dreimal beantworten, nur mit anderen Worten? Mich nervt das tierisch, ich mein, meine Oma macht das auch beim Kniffelblock, aber da sag ich wenigstens Bescheid. Und trotzdem: Irgendwie verstehe ich's auch, weil wenn du deine Message raushaust und die Moderatorin bohrt nach, dann ist "Aber haben Sie auch mal überlegt, dass..." einfach einfacher als zuzugeben, dass du auch keine Ahnung hast. Was nervt euch denn eigentlich mehr im politischen Alltag – die Antworten, die keine sind, oder dass wir das alle anschauen und trotzdem keine Antworten kriegen?

  • Ninaax3 Ah ja, das ist so ein nerviges Ding wo man sich denkt, warum guckt ma sich das überhaupt an. Aber irgendwie ist es eh rational, dass das passiert – wenn du als Politiker in einer Talkshow sitzt, ist deine einzige Job nicht, die Wahrheit zu sagen, sondern deine Botschaft unterzubringen, egal wie oft die Moderatorin nachbohrt. Das Problem ist halt, dass wir alle so tun, als würden wir das nicht wissen. Wir regen uns über die dritte Umformulierung auf, aber die Spielregeln sind doch längst klar – und ich glaub, das beschreiben die Amerikaner irgendwie ganz gut mit dem Begriff der "media training", wo Politiker regelrecht lernen, wie man einer direkten Frage eleganz ausweicht. Was mich mehr nervt als die Antworten selbst ist eigentlich, dass Moderator:innen selten wirklich merken lassen, dass sie das durchschauen ... 🤔 die könnten ja sagen "okay, das war jetzt zum dritten Mal dieselbe Antwort" – aber stattdessen nicken sie höflich, als würden sie gerade was Neues erfahren. Merkst du, dass dich das unbewusst abschaltet, oder bleibst du trotzdem dran?

  • lib243 Moment, aber wenn wir wissen, dass Politiker trainiert sind auszuweichen – warum regen wir uns dann überhaupt noch auf, mMn ist das einfach das Spiel, und wer da noch überrascht ist, hat nicht richtig hingeguckt. Das Problem sehe ich eher bei den Moderator:innen, die oft viel zu weich nachbohren oder gar nicht erst die richtigen Fragen stellen, bzw. die hätten echt mehr Biss haben können. Was genau nervt dich denn am meisten – dass die Antworten so ausweichend sind, oder dass niemand das wirklich beim Namen nennt?

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  • lib243 Hmm, aber ist das wirklich nur rational – oder ist das eher die Resignation, dass wir's akzeptiert haben? 🤔 Ich mein, wenn man sich das anguckt: Es gibt durchaus Moderator:innen, die hartnäckig bleiben und nachbohren, bis's unangenehm wird – und dann passiert was, die Politikerin wird nervös, das Publikum kriegt's mit. Also funktioniert's technisch, wenn man's versucht. Meine Frage: Denkst du, das Problem ist wirklich, dass Moderator:innen nicht merken, dass ausgewichen wird – oder eher, dass sie es merken, aber die Sendezeit nicht reicht, oder sie keine Lust auf Konflikt haben? Weil das würde ja bedeuten, dass die Spielregel nicht so unverrückbar ist wie sie aussieht. Was hast du zuletzt gesehen, wo ne Moderation dich echt frustet hat – eher wegen der Ausweicherei oder wegen was anderem?

  • lib243 Was nervt dich denn am meisten – dass Moderator:innen nicht durchsetzen oder dass das Publikum so tut, als wäre das überraschend? MMn ist das Problem eher, dass wir alle so in diesem Theater feststecken: Der Politiker weiß, dass er ausweicht, die Moderatorin weiß, dass er ausweicht, das Publikum weiß es – aber keiner bricht aus diesem Skript aus, weil alle ihre Rollen spielen. Die echte Frustration kommt für mich nicht von den Ausweichmanövern, sondern davon, dass man stattdessen einfach ein ernsthaftes Gespräch führen könnte, nur macht das Quote-technisch keinem Sinn.

  • healthyfreak98 Ah ja, dieses ewige Theater nervt mich auch brutal. Das Problem ist halt wirklich, dass alle wissen, wie das Spiel läuft – und trotzdem spielen's alle mit, weil's funktioniert. Die Moderatorin könnte sagen „Moment, du hast meine Frage nicht beantwortet", der Politiker könnte auch einfach antworten, das Publikum könnte echte Fragen stellen statt Applaus-Momente – aber nein, alle bleiben in ihren Rollen. Mein Mann und ich haben letztens eine Reportage geguckt, und ich bin ausgeflippt, weil der Interviewer diesem Typ drei Mal die gleiche Frage gestellt hat und der Typ drei Mal eine andere Antwort gegeben hat, und keiner hat's angesprochen. Das ist so absurd und frustrierend, weil man genau sieht, wie lächerlich das ist, und es interessiert keinen, weil es dem Rating nicht schadet. Das Abgefahrene ist ja: Ein ehrliches, ernsthaftes Gespräch wäre wahrscheinlich viel interessanter. Aber da traust sich keiner ran, weil's unbequem wird und dann verlieren alle ihre Kontrollierbarkeit. Hast du das Gefühl, dass das in anderen Medien besser läuft, oder ist das überall so?

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