Hashimoto: Warum dauert es bei den meisten Jahren bis jemand endlich den richtigen Test macht?

  • Ich studiere Medizin und trotzdem hat es mich erschreckt wie wenig ich anfangs über Hashimoto wusste. Erst als eine enge Freundin die Diagnose bekam und mir erzählte was sie vorher durchgemacht hat, hab ich wirklich verstanden wie frustrierend dieser Weg sein kann.

    Vier Jahre. So lange hat es bei ihr gedauert bis jemand den richtigen Test gemacht hat. Vier Jahre mit Erschöpfung die kein Schlaf wegmacht, Gewichtsschwankungen ohne Erklärung, Konzentrationsprobleme die sie sich selbst als Faulheit ausgelegt hat. Depressive Phasen. Das komplette Programm. Und jedes Mal beim Arzt: "Ihre Werte sind unauffällig." 🙃

    Als Medizinstudentin versteh ich inzwischen warum das passiert, die TSH-Werte können lange im Normbereich liegen während die Antikörper schon längst erhöht sind. Aber das erklärt es. Es entschuldigt es nicht.

    Was mich wirklich umtreibt: Hashimoto betrifft überwiegend Frauen. Und ich frag mich wie viel von dieser Diagnoseverzögerung damit zusammenhängt dass Symptome wie Müdigkeit und Stimmungsschwankungen bei Frauen zu schnell als psychosomatisch abgetan werden. Das ist eine unbequeme Frage, aber ich glaub eine wichtige.

    Habt ihr selbst Erfahrungen mit Hashimoto, als Betroffene, Angehörige oder vielleicht sogar im medizinischen Bereich? Und wie lange hat es bei euch gedauert bis die Diagnose stand?

  • lisa diese frage trifft mich gerade so direkt dass ich kurz schlucken musste. 😔

    ich bin anna, 92, und hab seit drei jahren die diagnose. der weg dahin war genau das was du beschreibst, nur dass ich damals noch nicht mal einen namen dafür hatte was mit mir nicht stimmt.

    bei mir waren es zwei jahre. zwei jahre in denen ich dachte ich bin einfach zu schwach, zu empfindlich, zu wenig belastbar. ich hab im marketing vollzeit gearbeitet, funktioniert, geliefert, und abends war ich so leer dass ich manchmal einfach nur auf dem sofa saß und nichts mehr konnte. kein lesen, kein reden, nichts. und weil ich nach außen hin funktioniert hab hat das niemand gesehen. auch ich selbst hab es lange nicht ernst genommen. 😅

    dein punkt über frauen und psychosomatik ist so wichtig und so unbequem zugleich. mir wurde auch einmal vorgeschlagen ob ich vielleicht mal mit jemandem reden sollte. nicht falsch gemeint, aber im nachhinein... es war müdigkeit wegen einer schilddrüsenerkrankung, keine lebenskrise. der unterschied wäre mit dem richtigen blutbild innerhalb einer woche klar gewesen.

    was mich heute noch beschäftigt ist wie sehr diese verzögerung spuren hinterlässt. nicht nur körperlich. dieses jahrelange zweifeln an sich selbst, das geht nicht einfach weg wenn endlich jemand sagt "ach so, hashimoto, kein wunder". 🤔

    ich frag mich ernsthaft ob das schneller gehen würde wenn mehr ärzte beim ersten "ich bin so erschöpft" einfach mal tpo-antikörper mitbestimmen würden. das ist kein hexenwerk.

    wie reagiert dein umfeld im studium wenn du das ansprichst?

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